TU BRAUNSCHWEIG
Symbolfoto

Die Geschlechter und Nachrichten auf Facebook

Geschlechterspezifische Unterschiede bei Geburtstagsnachrichten

Markus Weinmann

 

Einleitung

Soziale Netzwerke bilden einen Informationsfundus für Unternehmen, denn Netzwerkteilnehmer stellen quasi kostenlos und leicht zugängliche Informationen in selbige ein (Trusov et al. 2009), die im Sinne der Markt Segmentierung (Smith 1956) für bedarfsgerechte Angebote verwendet werden können. Dabei werden Kunden häufig in Segmente wie z. B. Geographie (Ort), Psychographie (Lifestyle), Verhalten (Motivation) oder Demographie (Alter, Geschlecht) unterteilt (Kotler 1994), wobei sich das Geschlecht als das wichtigste Segmentierungskriterium herausgestellt hat (Simon 2001). Auf Grund von Datenschutzparanoia werden jedoch immer häufiger in sozialen Netzwerken Klarnamen, aber auch das Geschlecht, nicht mehr angegeben. Damit Unternehmen Gratulanten trotzdem bedarfsgerechte Geschenkvorschläge unterbreiten können, stellt sich die Frage, in wie weit das Geschlecht auf andere Wege operationalisiert werden kann.

Theoretischer Hintergrund

Zielgruppengerechtes Marketing in sozialen Netzwerken lässt sich zunächst über demographische Daten, wie z.B. das Geschlecht, umsetzen. Dabei geht aus der Gender-Forschung hervor, dass sich Männer und Frauen in vielfältiger Weise unterscheiden. Meyers-Levy (1989) untersucht in ihrer Studie Unterschiede in der Informationsverarbeitung zwischen den Geschlechtern (Selectivity-Model-Theorie) und fand heraus, dass Frauen alle zur Verfügung stehenden Informationen verarbeiten (Comprehensive Processors), wobei Männer sich gerne auf Heuristiken stützen (Selective Processors). Des Weiteren sind es Frauen, die mehr sprechen als Männer (20.000 Wörter zu 7.000 Wörter am Tag) (Brizendine 2006), was unter anderem durch das soziale Wesen der Frau erklärt werden kann (Carlson 1971). Dies führt auch dazu, dass Frauen eher positiv kommunizieren, während Männer aggressiver kommunizieren (Fischer 1993).
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Frauen mehr Informationen verarbeiten und gleichzeitig mehr sprechen als Männer, was sich in sozialen Netzwerken auf die Nachrichtenlänge auswirken sollte. Der Nachrichteninhalt ist bei Frauen positiv, bei Männern aggressiv, was sich durch die Anzahl von Smilies respektive Ausrufezeichen zeigen sollte:

H1: Die Nachrichten von Frauen sind länger als die der Männer.
H2: Frauen nutzen mehr Smilies als Männer.
H3: Männer nutzen mehr Ausrufezeichen als Frauen.

Empirische Untersuchung

Untersuchungsobjekt und –subjekte: Untersucht werden die Geburtstagsgrüße an mich auf Facebook.de. Der Datenerhebungszeitraum beschränkt sich auf den 9. Mai 2012. Probanden der Studie sind meine Gratulanten. Die Gratulationsrücklaufquote (Gratulanten zu Freunde) beträgt 24%. 39% der Gratulanten sind weiblich; das Durchschnittsalter beträgt 29,62 Jahre.
Gemessene Variablen: (1) das Geschlecht; Frauen wurden mit 1, Männer mit 0 kodiert. (2) Die Länge der Geburtsgrüße, operationalisiert durch die Anzahl der Buchstaben pro Nachricht. (3) Die Anzahl der Smilies pro Nachricht. (4) Die Anzahl der Ausrufezeichen pro Nachricht. (5) Als Kontrollvariable dient das Alter in Jahren.

Ergebnisse

Um die Hypothesen zu testen, wurde eine Analysis of Variance (ANOVA) durchgeführt. Insbesondere wurden die Mittelwerte der beiden Teilstichproben Männer/Frauen mit Hilfe eines t-Tests untersucht. Für eine Annahme der Hypothesen 1 bis 3 müssen jeweils die t-Werte signifikant sein. Die Ergebnisse können der Tabelle 1 entnommen werden. Demnach können H1 & H2 bestätigt werden. Frauen schreiben längere Nachrichten und nutzen mehr Smilies als Männer. H3 kann nicht bestätigt werden.

Diskussion

Für Unternehmen spielt das Geschlecht bei der Platzierung von bedarfsgerechten Angeboten eine entscheidende Rolle. In sozialen Netzwerken wird dieses jedoch häufig nicht angegeben. In dieser Studie wurden Zusammenhänge zwischen dem Geschlecht und verschiedenen Nachrichteneigenschaften hypothetisiert. Die Ergebnisse zeigen, dass Frauen signifikant längere Nachrichten schreiben und mehr Smilies nutzen als Männer.
Diese Studie muss allerdings vor dem Hintergrund einiger Limitationen betrachtet werden. Zunächst kann zwar bei der Nachrichtenlänge von reliablen Informationen ausgegangen werden, ob die Messinstrumente „Nachrichtenlänge“ & „Anzahl Smilies“ tatsächlich in Hinblick auf Geschlecht die Validität erfüllen, darf durchaus bezweifelt werden. Weitere Forschungsarbeiten könnten eine breitere Stichprobe enthalten bzw. auch die Domäne “Geburtstagsgrüße” erweitern.

Danksagung

Ich danke allen meinen Probanden (Gratulanten).

Quellen

Brizendine, L. (2006). The Female Brain, 1. Aufl., Morgan Road Books, New York.

Carlson, R (1971). Sex Differences in Ego Functioning: Exploratory Studies of Agency and Communication, Journal of Consulting and Clinical Psychology (37:2), S. 267-277.

Fischer, A. H. (1993). Sex Differences in Emotionality: Fact or Stereotype? Feminism & Psychology (3:3), S. 303-318.

Kotler, P. (1994). Marketing Management, 8. Aufl., Prentice-Hall, Englewood Cliffs, NJ.

Meyers-Levy, J. (1989). Gender differences in information processing: a selectivity interpretation, Cognitive and Affective Responses to Advertising, P. Cafferata, A. Tybout (Hrsg.), Lexington, MA: Lexington Books, S. 219–60.

Smith, W. R. (1956). Product Differentiation and Market Segmentation as Alternative Marketing Strategies. Journal of Marketing (21:1), S. 3-8.

Simon, S. J. (2001). The impact of culture and gender on Web sites: An empirical study, The DATA BASE for Advances in Information Systems, (32:1), S. 18–37.

Trusov, M., Bucklin, R. E., and Pauwels, K. (2009). Effects of Word-of-Mouth Versus Traditional Marketing: Findings from an Internet Social Networking Site, Journal of Marketing (73:5), S. 90-102.

Lehre an der TU Sofia

Vom 25.4. – 27.4. haben wir (Markus Weinmann, Patrick Helmholz) an der Technischen Universität Sofia eine Blockveranstaltung zum Thema “Informationsmanagement” mit den Schwerpunkten “E-Services” und “Elektronische Märkte” gehalten.

Wir bedanken uns bei Assoc. Prof. Dimitar Alexiev für die Gastfreundschaft und die gute Unterkunft im German Guesthouse.

wi² goes Harvard

Von 30. Juli bis 1. August 2012 treffen sich Forscher an der Harvard Business School, um ihre neusten Forschungsergebnisse im Bereich Open Innovation und User Innovation zu präsentieren. Gastgeber sind die renommierten Forscher Eric von Hippel (MIT), Carliss Baldwin (Harvard Business School, HBS), Karim Lakhani (HBS), Stefan Thomke (HBS) und Benjamin Mako Hill (MIT).

Gleich mit zwei Beiträgen ist das Institut für Wirtschaftsinformatik (Abteilung Informationsmanagement) der TU Braunschweig (Prof. Susanne Robra-Bissantz, Maximilian Witt) zusammen mit dem Lehrstuhl für Industrielles Management der Universität Erlangen-Nürnberg (Prof. Kai-Ingo Voigt, Dr. Christian Scheiner) vertreten. Wir wurden eingeladen unsere neuesten Ergebnisse zur Einbindung von Spielmechaniken und der Nutzung von zielgerichteten Spielen im Innovationsmanagement zu präsentieren.

Auftakt zur Webgesellschaft: Themen und Termine

Liebe Studenten,

hier die Folien zur Auftakt-Veranstaltung vom letzten Freitag. Ihr könnt Euch jetzt bei StudIP anmelden, bis zum 27.4.2012, die Gruppen werden ab Montag, 23.4.2012, ab 9.00 Uhr freigeschaltet.

“Der Übergang zur Webgesellschaft”

Vielen Dank fürs Mitmachen,
Gerald Fricke

Klausurergebnisse der Vertiefungsklausuren im Wintersemester 2011/2012

Liebe Studenten,

auf unserer Institutsseite in Stud.IP findet ihr nun die Noten der Vertiefungsklausuren Informationsmanagement (IuK, El. Märkte, KEB, E-Services und Diplomvertiefung) vom 13.03.2012.

Ihr könnt eure Klausur(en) Mittwoch, den 2. Mai 2012,  zwischen 13 und 14.30 Uhr bei uns im Seminarraum einsehen.

Folien der Vorstellung “Lehre SoSe 2012″

Hier nun die Folien der Vorstellung:

 

Die Anmeldung zu den Seminaren und Projekten ist im Stud.IP ab 18 Uhr möglich.

Vorstellung der Lehre

Die Vorstellung der gesamten Lehre für das SoSe 2012 (Vorlesungen und Seminare/Projekte) findet am 12.04.2012 um 15 Uhr in Raum IZ 160 statt. Die Anmeldung ist dann nach der Veranstaltung am 12.04.2012 ab 18 Uhr im Stud.IP möglich. Die Folien der Vorstellung sind im Anschluss an die Veranstaltung hier zu finden.

Wir freuen uns auf ein spannendes Semester mit euch!

Der Übergang zur Webgesellschaft

Dr. Gerald Fricke über den Übergang in die Webgesellschaft 

Im Sommersemester 2012 bieten wir eine Veranstaltung zur Webgesellschaft an. Was ist damit gemeint? Wir glauben, dass wir uns gerade in einem großen Übergang befinden, von einer Gesellschaft, die in erster Linie durch Massenmedien und große Einheiten geprägt ist, zu einer Gesellschaft in der das Web das neue Leitmedium ist. Diese Transformation ist ähnlich bedeutsam wie der Übergang von traditionellen Gesellschaften zu den Marktgesellschaften im Zuge der Industrialisierung im 19. Jahrhundert, die Karl Polanyi (1978) auf die Formel der Great Transformation gebracht hat.

Diese Transformation hat bedeutende Auswirkungen auf die Politik und die Demokratie, auf die Unternehmen – und, natürlich, auch auf die Universitäten. Mit diesen Herausforderungen können wir am besten umgehen, wenn wir die Geschichte einer neuen Kooperation in der Webgesellschaft erzählen, so meinen wir. Eine Webgesellschaft wird reflexiver sein, dezentraler organisiert sein, nicht beherrscht von großen Einheiten, mit klaren Grenzen von innen und außen. Continue Reading…

Die MKWI 2012 sagt danke…

Unser Blockbuster zur Multikonferenz der Wirtschaftsinformatik, 2012 in Braunschweig (Film: Gerald Fricke)

Das war unsere schönste Konferenz… Danke an alle, die uns unterstützt haben!

Die Geschlechter im E-Commerce – Vortrag MKWI

Gestern hatten wir unseren ersten Vortrag auf der Multikonferenz Wirtschaftsinformatik 2012. Für alle, die nicht dabei sein konnten, hier die Zusammenfassung.

“Die Geschlechter im E-Commerce”, Vortrag Markus Weinmann, Braunschweig, Multikonferenz Wirtschaftsinformatik 2012

Abstract:
Studien zu geschlechterspezifischem Verhalten in realen Shop-Umgebungen kommen zum Ergebnis, dass Frauen gerne und lange einkaufen, während Männer dabei eher negative Emotionen verspüren. Auf Basis der „Selectivity Model“-Theorie, die besagt, dass Frauen umfassende Informationssammlerinnen („comprehensive processors“) und Männer heuristische Informationssammler („selective processors“) sind, hypothetisieren wir, dass – analog zum Offline-Kaufverhalten – Frauen auch in Online-Shopping-Umgebungen umfangreicher Informationen sammeln, während Männer eher Negativ-Emotionen verspüren. Unsere Ergebnisse zeigen, dass gegensätzlich zum Offline-Shopping Männer in einer virtuellen Shopping-Umgebung umfangreicher Informationen sammeln als Frauen. Hingegen konsistent mit unserer Hypothese ist, dass Männer eher Negativ-Emotionen erleben.