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wi² Blog – Wirtschaftsinformatik & Informationsmanagement

Bringe mehr Spaß ins Web!

Internets are fun!

Quelle: flickr -> http://bit.ly/bNIucM

Habe mehr Spaß im Web! Doch was empfinden wir als Spaß und wie kann man diesen „hervorrufen“ bzw. wie entsteht Spaß im Web? Mit diesem Thema habe ich mich im Rahmen meiner Studienarbeit beschäftigt. Immer wieder stößt man auf folgende Frage: Warum verbringen User eigentlich so viel Zeit im Internet?

Wie hat man Spaß im Web


Auf diese Frage, die eine Antwort zu finden ist unmöglich, da die zugrundeliegende Motivation der Benutzer, eine Website zu besuchen, sehr unterschiedlich sein kann. So wollen sich einige Benutzer auf dem WI2 Blog über die neuesten Ereignisse informieren und diese vielleicht sogar kommentieren, andere Benutzer gehen auf Community-Portale wie Studi-VZ oder Facebook, um mit alten Freunden in Kontakt zu bleiben oder neue Freunde kennen zu lernen und wieder andere versuchen, in Online-Wettbewerben miteinander zu konkurrieren. Dies alles sind Beschäftigungen für Menschen, die ihnen Spaß im Web und am Web bringen.

In letzter Zeit insbesondere Ideenwettbewerbe, die durch ihre rasante Vermehrung auf sich aufmerksam machen. Unternehmen wie BMW, Toyota, Intel und Starbucks versuchen damit Kunden für die Entwicklung oder die Weiterentwicklung von Produkten zu gewinnen. Dabei reicht der Ausarbeitungsgrad von unfertigen Beschreibungen bis zu fertigen Prototypen. Um die Kunden für die Teilnahme am Wettbewerb zu begeistern, werden Geld und Sachpreise für die Gewinner ausgeschrieben. Eine wichtige Hilfestellung liefern bei diesen Online-Wettbewerben die Mechanismen und Funktionen des Web 2.0, das auch als Mitmach-Web bekannt ist. Web 2.0 ist zwar keine absolute Neuheit, doch es findet immer wieder neue Wege, den Benutzer in Prozesse einzubinden. Die Beteiligung der Benutzer bzw. Kunden an Prozessesen, die ursprünglich von Angestellten des Unternehmens erledigt wurden, wird auch als Interaktive Wertschöpfung oder Crowdsourcing (Mischung Crowd [Menschenmenge] & Outsourcing [Ausgliedern]) bezeichnet. Im Rahmen eines Ideenwettbewerbs wird die Einbindung des Kunden in den Innovationsprozess eines Unternehmens als Open Innovation bezeichnet. Die Benutzer sind dadurch in der Lage nicht nur Inhalte bzw. Produkte nachzufragen, sondern diese auch zu erstellen, was in gewisser Weise den Drang des Menschen nach Selbstdarstellung und dem Vergleichen mit Anderen befriedigt. Seiten wie Wikipedia basieren komplett auf dem Prinzip des „Benutzer erstellten Inhalt“. In dem Zusammenhang liegt die Frage nahe, ob Unternehmen die Ideenwettbewerbe ausrichten, überhaupt Geld und Sachpreise anbieten müssen oder ob für manche Teilnehmer der empfundene Spaß im Web ausreichend sein könnte.

Onlinegames- der Spaß im Web für Jugendliche

Medien, die per definitionem Spaß an der Teilnahme vermitteln sollen, sind Online-Games. In Massively Multiplayer Online Role Playing Games (MMOs) wie „World of Warcraft“ suchen die Spieler nach versteckten Schätzen, treffen Freunde und kämpfen mit ihnen Seite an Seite gegen ihre Gegner. Dabei greifen die Spieler auf Mechanismen (wie z. B. Laufen, Springen, Zaubern etc.) zurück. In Verbindung mit dem Spielkontext (Levels, Gegenständen usw.) bestimmen diese „Spielmechanismen“ den Ablauf des Spiels. Um diesen Zusammenhang zu verdeutlichen, stellt Euch folgende Situation vor: Wenn der Spieler über einen Graben springen muss, dann kann er das entweder mit Hilfe der ihm zur Verfügung stehenden Mechanismen unternehmen (und das Level fortsetzen) oder nicht. Wenn nicht, dann fällt er in den Graben und muss das Level erneut beginnen.

An diesem Beispiel fällt auf, dass Spielmechanismen auch anzeigen, ob eine Aktion des Spielers gut oder schlecht war/ist. Spielmechanismen sind sozusagen die Bausteine eines Spieles. Könnte man also durch Einbringen von Spielmechanismen in den funktionalen Kontext einer Webseite die Nutzer dazu bringen, Spaß zu empfinden?

Stephan hat auch Spaß im Web


Vielleicht kann uns da Student Stefan weiterhelfen. Dieser stöbert durchs Studi-VZ und schaut, welche neuen Fotos seine Freunde reingestellt haben, schreibt etwas an deren Pinnwand und chattet mit seinem besten Freund Tilo. Beim Stöbern durch Tilos Profil fällt Stefan auf, dass Tilo viel mehr Freunde hat als er. Stefan beschließt also, noch ein paar Kommilitonen als Freunde zu gewinnen und fragt sogar noch ein paar alte Schulfreunde, ob sie nicht der Studi-VZ-Community beitreten wollen. Dieses Verhalten ist, höchst produktiv für Studi-VZ, da die User selbst „Kundenakquise“ betreiben und darüber hinaus noch die Vernetzung der Community erhöhen.

Das man überhaupt die Idee hat, die Anzahl der Freunde eines anderen mit der eigenen zu vergleichen, kommt nicht von ungefähr. Dieser „Konkurrenzkampf“ würde wahrscheinlich weitaus seltener passieren wenn das Studi-VZ nicht auf der Profilseite eines Users die Anzahl der Freunde anzeigen würde. Sieht man das Ganze im Kontext von Spielmechanismen, könnte man die Anzahl von Freunden mit einer Punktezahl gleich setzen, die dem Benutzer eine Art sozialen Status propagieren soll, um in gewisser Weise zu konkurrieren. Was auch immer Studi-VZ damit bezweckt, es scheint zu funktionieren.

Die Hauptaufgabe dieser Studienarbeit bestand darin, einen möglichen Ansatz zu untersuchen, um den positiven Effekt von Spielen (Spaß, Freude, Konkurrenz, etc.) auf Ideenwettbewerbe zu übertragen. Diesen Transfer von spielerischen Elementen aus dem Spielkontext in das Model der Open Innovation bezeichnen wir als „Game-based Open Innovation“. Ein Weg Game-based Open Innovation zu implementieren, sind Spielmechanismen. In einer qualitativen Fallstudie mit 18 Fällen und drei Experteninterviews zeigt diese Studienarbeit, welche Spielmechanismen verwendet werden und wie der Einfluss auf die Motivation der Teilnehmer aussehen könnte. Darüber hinaus werden in ihr Annahmen über den Zusammenhang von Spielmechanismen mit fortlaufender Motivation aufgestellt.

Ich hoffe, ich konnte einige von Euch für das Thema Spielmechanismen und Game-based Open Innovation begeistern. Wenn dem so ist, wendet euch am besten an Maximilian Witt der hilft Euch gerne weiter. Am Schluss möchte ich ihm auch für die gute Betreuung danken.

Hat echt Spaß gemacht, Max, und ich freue mich schon auf die Diplomarbeit. 😉

Viele Grüße

Florian Birke

Kommentare

  1. Hey Florian!
    Danke für den Top-Beitrag und die schöne Studienarbeit – hat mir mindestens genauso viel Spaß gemacht! Freu mich auch schon auf Deine Diplomarbeit!
    Max

  2. Sehr schöner Artikel… Glückwunsch und vielen Dank, Florian!

  3. Toller Beitrag zur Arbeit. Diesen besagten Konkurrenzkampf kennt man ja auch sehr gut aus Browsergames, wie Farmville. 😉
    Im realen Leben merke ich das auch jeden Tag beim Kampf um den Mitarbeiter des Monats. 🙂

    Von Patrick Helmholz am 6. Mai 2010 um 0:32 Uhr

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