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Cloud Computing: Alles in die Wolke?


Alles in die Wolke? “Erklärfilm” der Cloud-Computing-Gruppe in der Webgesellschafts-Vorlesung, 10.6.2011

“Alles in die Wolke”? Cloud Computing oder auch Rechnerwolke genannt, stellt IT-Infrastrukturen wie zum Beispiel Rechenkapazität oder Datenspeicher jederzeit über ein Netzwerk zur Verfügung.
Es existieren drei verschiedene Service-Modelle:

IAAS
Cloud-Computing kann eine Alternative zum USB-Stick sein: Der Nutzer kann sich bei einem Anbieter registrieren und von seinem Heim-PC aus Daten ins Internet laden. Diese Daten sind dann an jedem mobilen Endgerät, das mit dem Internet verbunden ist, verfügbar. Das funktioniert selbstverständlich auch umgekehrt – vom mobilen Gerät zum Heim-PC.

SAAS
Einige Anbieter bieten auch browserbasierte Software an. Die Nutzer können die Programme – zum Beispiel zur Textverarbeitung – direkt im Browser starten. Dafür brauchen sie keine Software herunterladen oder installieren. Der Server startet eine Instanz der hinterlegten Software und überträgt nur die grafische Oberfläche über das Internet an den User. So können viele User ein und dieselbe Software gleichzeitig benutzen.

PAAS
Den persönlichen Web-Auftritt braucht man nicht mehr auf dem eigenen Gerät erstellen und später auf den Server laden. Es gibt mittlerweile einige Anbieter, die Tools bereithalten mit denen man bequem Web-Anwendungen erstellen kann, ohne dafür Software kaufen zu müssen.

Die folgenden Thesen verdeutlichen die Standpunkte der Pro-Parteien:

1) Die Daten und Dateien sind immer und überall verfügbar, sodass der Nutzer jederzeit auf diese zugreifen kann. Des Weiteren ist Cloud-Computing eine Alternative zum USB-Stick, sodass Datenverluste durch defekte Speichermedien umgangen werden können.

2) Der Nutzer muss keine Angst vor Problemen mit der eigenen lokalen Festplatte oder vor beispielsweise Stromausfällen haben. Bei z.B. Dropbox werden regelmäßig automatisch Speicherungen vorgenommen, sodass keine Backups durchgeführt werden müssen. Generell wird dadurch die Gefahr des Datenverlustes verringert. Bei einem Serverausfall kann über einen anderen intakten Server ohne Probleme auf die notwendigen Daten zugegriffen werden.

3) Durch Tools wie Google Docs ist es möglich, kostenlos Tabellen, Dokumente oder gar Präsentation online zu erstellen. Der Nutzer wählt selbst aus, wer Zugriff auf die eigenen Daten hat und bestimmt, wer diese lesen sowie gegebenenfalls verändern darf. Dadurch wird das Wissen mit anderen Personen geteilt und zusätzlich neues Wissen erworben.

4) Kosteneinsparungen für Unternehmen und Privatpersonen sind ein weiterer großer Vorteil von Cloud Computing.
Die Unternehmen können Rechnerleistung, Wartungs- sowie Softwarekosten einsparen. Es existieren zwei große Kostenmodelle: Entweder gibt es stabile Kosten, wodurch das Unternehmen monatlich eine festgelegte Summe für den benutzten Speicherplatz zahlt. Oder das Unternehmen zahlt immer nur dann, wenn sie den Dienst der Cloud auch wirklich in Anspruch genommen hat. In beiden Fällen wäre der Speicher flexibel erweiterbar. Wenn eine Privatperson zum Beispiel google maps nutzt, wird immer nur der Teil der Karte heruntergeladen, den er gerade anschauen möchte. Dadurch spart er zunächst erst einmal Platz auf seiner Festpatte, da er keine kompletten Datensätze speichern muss.

5) Was die meisten Anbieter gemeinsam haben, ist ein relativ großer Serververbund. Das bietet den Vorteil, dass bei einem Hardwarefehler ein anderer Server seinen Platz einnimmt. In den Servern für Onlinespeicher laufen viele Festplatten in RAID- oder JBOD-Modi. Diese wurden bisher oft nur auf Speicher mit einer direkten Hardwareverbindung, also innerhalb eines Server-Computers angewandt. Es ist jedoch auch möglich Server über große Distanzen hinweg über eine Speicherzusammenfassung miteinander zu verlinken. Versucht nun ein unbefugter an die Daten heran zu kommen, kann er sie nicht lesen, weil nur Datei-Fragmente auf jedem der Server liegen die sozusagen erst im Internet zu einer Datei zusammengeführt werden.

6) In vielen Unternehmen wird sehr stark an unterschiedlichen Verschlüsselungen gearbeitet. Es ist alles momentan noch nicht hundertprozentig sicher, da der Dienst erst am Anfang seiner Entwicklung steht. Die Verschlüsselungen werden weiter optimiert, um einen angemessen Datenschutz zu gewährleisten.

Die folgenden Thesen verdeutlichen die Standpunkte der Contra-Parteien:

1) Um an die Daten aus der „Cloud“ zu gelangen, muss eine Internetverbindung verfügbar sein. So wird es problematisch, wenn kein stetiger Breitbandzugang existent ist, wie beispielsweise auf Reisen mit dem Zug. Zudem gibt es in Deutschland Regionen, in denen noch keine Breitbandverbindung vorhanden ist.

2) Es besteht die Gefahr des Datenverlustes, da die Daten Back-Ups gestohlen werden oder verloren gehen können. Die Geschehnisse im April dieses Jahres bei Amazon zeigten, dass Daten unwiederbringlich verschwinden und somit finanziellen oder persönlichen Schaden anrichten können.

3) Die Kostenkalkulation für Unternehmen ist schwer, da die Umsetzung nicht pauschal angeboten wird und die Inanspruchnahme des Ausmaßes der Dienste variieren kann. So gab es Fälle, in denen Großkunden keine zufriedenstellenden Dienste angeboten bekamen und es zu schwerwiegenden Ausfällen oder streikenden IT-Systemen kam.

4) Es ist ungewiss, wo sich die eingelagerten Daten physisch befinden. Bei grenzüberschreitenden „Clouds“ kommt es zudem zu gesetzlichen Konflikten. Unternehmen müssen laut den deutschen Datenschutzrichtlinien archivierte Akten in Deutschland lagern, was somit teilweise nicht gegeben wäre. Die persönlichen Daten von Privatpersonen hingegen würden in Konflikt mit dem Paragraphen 9 und 11 des Bundesdatenschutzgesetzes treten, welches die Auftragsdatenverarbeitung und die Übertragung personenbezogener Daten regelt.

5) Die Verschlüsselung, welche die Datensicherheit gewährleisten soll, bietet einen großen Angriffspunkt (Webinterface) und kann daher ohne Weiteres umgangen werden. Die Technologie, die die Daten schützt, ist noch nicht ausgereift. Die Datenschutzbestimmungen sind in jedem Land unterschiedlich, sodass das global agierende „Cloud Computing“ keinen einheitlichen Regeln untergeordnet ist. Die Virenabwehr der Rechner, die den Server schützen, muss ständig online sein, um seiner Aufgabe nachzukommen. Somit wird die Gefahr, die ein Rechnerausfall mit sich bringt, unkalkulierbar.

6) Die Vorstellung, dass ein Cloud-Anbieter beispielsweise Insolvenz geht und man gezwungen ist, seine Daten umzulagern, eröffnet ein ganz neues Problemfeld. Erstens sind viele Clouds nicht miteinander kompatibel und zweitens besitzt man keine Gewissheit, was aus den vermeintlich gelöschten, persönlichen Daten geworden ist. Schließlich könnte es noch irgendwelche Back-Ups geben, welche dem Nutzer zum Verhängnis werden.

Fazit:
Unsere Darbietung und dem damit verbundenen Aufzeigen von Vor- und Nachteilen sollten den Zuschauer anregen, sich selbstständig eine Meinung über das Thema „Cloud Computing“ zu bilden. Aus diesem Grund führten wir im Anschluss eine Diskussion, die zum Vorschein brachte, dass man die Thematik nicht nur gut oder schlecht heißen kann, sondern das Ausmaß der Nutzung in der Selbstverantwortung jedes Einzelnen liegt.

Die Cloud-Computing-Gruppe:
Kristina Branz, Fathi El-Kathib, Kolja Feix, Ronny Fichte, Janina Göbel, Sylvia Goor, Madeleine Ott, Nils Peter Stoye, Sandra Tiefholz, Daniela Viehmeier

Kommentare

  1. Vielen Dank, eine tolle Talkshow und schöne Gegenüberstellung der Pro- und Contra-Argumente!

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