TU BRAUNSCHWEIG
Symbolfoto
wi² Blog – Wirtschaftsinformatik & Informationsmanagement

Dezentrale vs. zentrale IT-Strukturen (B-IT-A, 4)

IT Departments have become completely useless

– Peter Hinssen, Lecturer an der London Business School

Zum vierten Teil der studentischen Blogreihe zum Business-IT-Alignment soll erötert werden, ob Unternehmen überhaupt eine IT-Abteilung benötigen oder ob die Funktionen und Dienste auch durch die jeweilige Fachabteilung selbst übernommen werden können. Zunächst empfehlen wir euch einen Blick in die vorherigen Beiträge dieser Reihe zu werfen:

#1 Ein erster Einblick in die Welt des Business IT-Alignment
#2 Strategische Ausrichtung der IT: Unternehmenstyp und Branchenkonstellation
#3 Der CIO im Vorstand

Brauchen Unternehmen eine IT-Abteilung? Diese strukturelle Fragestellung polarisiert in Theorie und Praxis, weshalb ein differenzierter Blick auf die jeweiligen Vorteile der Strukturmodelle erfolgen soll.

Dazu wird zunächst auf eine eigenständige bzw. zentrale IT-Abteilung eingegangen. Für eine solche Handhabung spricht die Funktion sich mit den unternehmerischen Prozessen auseinanderzusetzen, diese zu unterstützen und zu optimieren. Die Zentralität ermöglicht dabei einen holistischen Blick auf alle unternehmerischen Systeme und Prozesse, sodass auch der Umgang mit Schnittstellenproblemen erleichtert wird. Des Weiteren kann auf diese Weise gewährleitet werden, dass die einzelnen Systeme miteinander kompatibel und vernetzbar sind. Außerdem kann eine einheitliche Datensicherung und -verschlüsselung von IT-Spezialisten implementiert werden, was bei Trends zur Wissensorganisation und Big Data immer mehr an Bedeutung gewinnt. Als weitere Vorteile seien die Vermeidung von Redundanzen, die adäquate Priorisierung von den jeweiligen IT-Aufgaben und Innovationen durch Spezialisierung genannt. Nicht zuletzt spricht auch die wachsende Bedeutung der IT in Unternehmen (beispielsweise im Rahmen der Industrie 4.0) für eine zentrale IT-Struktur.

Im Kontrast dazu können allerdings auch Vorteile für die Integration der IT-Aufgaben in die jeweiligen Fachabteilungen ausgemacht werden. Der Abstimmungsbedarf mit der IT-Abteilung entfällt, was Betrieb und Lösungen flexibler macht und Informationsverluste, beispielweise bei der Auftragsvergabe an einen Dienstleister, vorbeugt. Die Nähe sowie das Know-How über den Spezialbereich der Fachabteilung können Projekte beschleunigen und Innovationen fördern. Auch kann die Motivation durch eine von der eigenen Abteilung erarbeiteten Lösung erhöht werden, auf jeden Fall ist die Akzeptanz signifikant größer. Des Weiteren ist neue IT-Unterstützung bei dem vorherrschenden großen Angebot schnell und direkt gekauft (Endgeräte, Cloud, Apps, etc.). In diesem Zusammenhang wird auch von „Consumerization“ und „Bring your own device“ gesprochen, was diesen Trend unterstützt.

Zusammenfassend lässt sich kein eindeutiges „richtig oder falsch“ festmachen. Bei der Entscheidung für eine zentrale oder dezentrale Struktur sind weitere Entscheidungsfaktoren wie die Unternehmensgröße und der IT-Anteil zu berücksichtigen. Ein Kompromiss könnte auch die Kombination der Strukturen darstellen: Die dezentrale IT übernimmt geschäftsbereichsspezifische Aufgaben und die zentrale IT fokussiert die Strategie und die Innovation.

Daniel Grabowski und Anna Schönwald


Kommentare

  1. lecturer != Lektor

  2. Danke, ich korrigiere das!

Trackbacks / Pings

  1. Trackback URl →