TU BRAUNSCHWEIG
Symbolfoto
wi² Blog – Wirtschaftsinformatik & Informationsmanagement

Die Geschichte der Wechselbarrieren

Gestern haben wir uns Gedanken zu Wechselbarrieren gemacht; die Rolle des Marketings und die der Wirtschaftsinformatik sowie die Frage, wie sich beide Disziplinen ergänzen können. Wechselbarrieren beschreiben den Aufwand eines Markenwechsels für den Kunden.

Dabei können Unternehmen emotionale Barrieren aufbauen, d.h. der Kunde ist mit dem Produkt emotional so stark verbunden, dass es für ihn nicht in Frage kommt, bei einem Neukauf die Marke zu wechseln (z. B. durch sozialen Druck: “was würde der Nachbar sagen?”). Diese Barrieren sind schwer aufzubauen und unserer Meinung nach Aufgabe des Marketings (z. B. die Entwicklung von Kampagnen).

Dahingegen werden bei rationalen Barrieren “Umstände” aufgebaut, die es dem Kunden aus logischen, bequemen oder auch monetären Gründen erschweren, die Marke zu wechseln (z.B. gekaufte Apps von Apple können nur auf Apple-Endgeräten genutzt werden). Der Kunde hat das Produkt so in seinem Alltag integriert, dass ein Wechsel der Marke nicht mehr in Frage kommt. Aber wie kann ein Produkt so stark in den Alltag integriert werden? Das scheint eine Aufgabe der Wirtschaftsinformatik zu sein. Und zwar durch die Entwicklung sinnvoller elektronischer Dienste um ein Produkt herum, die zu einem Mehrwert für den Kunden und zugleich zu einem Differenzierungskriterium für Unternehmen führen. Im Extremfall wird der elektronische Dienst zu einem eigenen Produkt. Wir kaufen vielleicht einen iPod/iPhone auch gerade deshalb, weil die elektronischen Dienste (iTunes bzw. App Store) um das Kernprodukt herum uns das Leben einfacher machen.

Gute elektronische Dienste können dazu beitragen, dass wir uns glücklicher fühlen, was wiederum zu einer emotionalen Bindung führen kann: Marketing & Wirtschaftsinformatik, Hand in Hand.

Kommentare

  1. Auf den Punkt… Danke, Markus!

  2. Klar, das ist sicher so – ich glaube fast, die rationale Bindung ist die fortgeschrittene Version des Systemguts. Hier haben auch schon früher Produkte zusammen gehört, sodass man bei einem “Systemführer” blieb. Ein Beispiel ist die Playstation, zu der man soviele Spiele gekauft hat, dass man nicht mehr auf die X-Box wechseln will.

    Elektronische Dienste, wie wir sie auf der Website eines Unternehmens finden, sind eben auch so etwas wie Produkte. Und Websites von Unternehmen sind nicht nur Vertriebskanäle oder Marketing-Plattformen. Und wenn ich es schaffe, die elektronischen Dienste so gut zu gestalten, dass sie dem Kunden viel Wert sind (als Produkt auf einer Website!)und zudem genau passend zum ursprünglichen Produkt, dann führt das erstens dazu, dass man diese Dienste nicht mehr missen will und zweitens dazu, dass man auch beim eigentlichen Produkt bleibt.
    Ich glaube ja. Und dann glaube ich auch daran, dass die elektronischen Dienste, wie Markus es meint, zu Systemführern werden können. Nicht immer. Aber es kann unter Umständen so sein, dass man das Produkt “Mein elektronisches Lernmodul zum Produkt X” auf der Website des Produktes X tatsächlich mit der Zeit wichtiger findet als das Produkt selber. Dann verschiebt sich der Fokus des Unternehmens. Vielleicht. Wenn es raffiniert ist.

Trackbacks / Pings

  1. Trackback URl →