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wi² Blog – Wirtschaftsinformatik & Informationsmanagement

Enterprise 2.0 – Eine Fallstudienanalyse

In den letzten sechs Monaten habe ich hier am Institut für Informationsmanagement meine Diplomarbeit zum Thema „Web 2.0 in der Unternehmenspraxis – Eine Fallstudienanalyse“ verfasst. Die Arbeit thematisiert im Rahmen einer explorativen Mehrfachfallstudienanalyse den internen Einsatz der drei wichtigsten Web-2.0-Instrumente – das Weblog, das Wiki und der Social-Networking-Service – in der Unternehmenspraxis. Das Ziel der Diplomarbeit war es, durch das Vergleichen von Fallstudien replikative Muster aufzudecken, die eine Entwicklung von anwendungsspezifischen und -übergreifenden Hypothesen zum doch noch ziemlich lückenhaften Thema „Web 2.0 im Unternehmenskontext“ erlauben. Im Verlauf des Forschungsprozesses entstand, neben den entwickelten Kernhypothesen, auch eine neun Fallstudien umfassende Fallstudiensammlung.



Die untersuchten Fallbeispiele aus der Praxis werden dabei sowohl in ausführlicher Form, wie auch als schematisches Kurzprofil illustriert und können speziell den Praktikern als Handlungsleitfaden oder Anregung für eigene Web-2.0-Projekte dienen. Im Zuge der Datenanalyse werden mit Hilfe von anschaulichen Ergebnismatrizen bestehende Theorien zum Forschungsgegenstand anhand der gewonnenen Erkenntnisse aus der Mehrfachfallstudienanalyse überprüft. Neben einer detaillierten Diskussion der anwendungsabhängigen Zielgrößen, Funktionalitätsdimensionen und Einsatzpotentiale, betrachtet die vorliegende Arbeit auch grundlegende Aspekte zur erfolgreichen Einführung von Web 2.0 in ein betriebliches Umfeld. Widerkehrende Muster zu Nutzermotivatoren, akzeptanzsteigernden Maßnahmen und Erfolgsfaktoren von Web-2.0-Projekten aus bewusst heterogen ausgewählten Fallstudien erlauben zudem anwendungsunabhängige Aussagen, die auch für andere Unternehmen mit  anderen situativen Kontexten Orientierungspunkte bieten können. Nachfolgend sind einige ausgewählte und anschauliche Kernhypothesen meiner Arbeit stichwortartig dargestellt.

 

  • Weblog, Wiki und Social-Networking-Service lassen sich anhand ihrer Einsatzpotentiale deutlich voneinander abgrenzen und erzeugen zum Teil unterschiedliche Werte für den einzelnen Mitarbeiter und das Gesamtunternehmen
  • Web-2.0-Anwendungen müssen einem konkretem Business-Case im Unternehmen zugeordnet werden – dazu gehören Zieldefinitionen, betroffene Stakeholder und erwarteter Mehrwert
  • auch nach dem offiziellen Roll-Out muss die Web-2.0-Anwendung permanent beworben und im Fokus der Mitarbeiter gehalten werden – die bloße Bereitstellung der Software schafft noch lange keine Inhalte
  • Web-2.0-Systeme sollten als bewusstes Angebot den Mitarbeitern bereitgestellt werden, eine erzwungene Teilnahme stellt ein K.O.-Kriterium für den Erfolg der Anwendung dar
  • extrinsische Motivatoren erhöhen die Teilnahmebereitschaft nicht oder nur marginal, stattdessen sollte die intrinsische Motivation der Mitarbeiter gestärkt werden
  • Vorgesetzte sollten die Nutzung von Web-2.0-Anwendungen nicht nur von ihren Mitarbeitern einfordern, sondern selber explizit vorleben
  • das Verhältnis zwischen Mehrwert und Aufwand einer Web-2.0-Anwendung muss sich zu Beginn des Projektes für den einzelnen Mitarbeiter zumindest ausgeglichen und im späteren Verlauf jedoch positiv gestalten
  • einmal verlorene Nutzer lassen sich nur sehr schwer wieder zurückgewinnen, daher empfiehlt es sich insbesondere bei Weblogs und Wikis nicht mit einer leeren Anwendung zu starten
  • die nachhaltige Implementierung von Web-2.0-Anwendungen erfordert die Akzeptanz und Verhaltensänderung der Mitarbeiter, dies sind hochgradig evolutionäre und damit zeitintensive Prozesse

An dieser Stelle möchte ich mich auch bei allen Personen bedanken, die mich bei der Erstellung dieser Arbeit so tatkräftig unterstützt haben. Mein ausdrücklicher Dank gilt dabei in erster Linie Yvonne, die mich mit sehr viel Engagement und vielen guten Ideen bis zum Schluss hervorragend betreut hat. Ebenfalls bedanken möchte ich mich bei der kompletten „DASABA“-Gruppe für die zahlreichen fruchtbaren Diskussionen und Anregungen, die unseren regelmäßigen Meetings entsprangen. Zu guter Letzt gilt mein ganz besonderer Dank den Web-2.0-Experten, die ich im Rahmen dieser Arbeit interviewen durfte. Ein herzliches Dankeschön für Eure Zeit und Mühen!

Beste Grüße! Christian

Kommentare

  1. Christian, wirklich eine astreine Arbeit mit sehr aufschlussreichen Ergebnissen (und eine sehr gelungene Zusammenfassung hier!), finde ich…. Weiterforschen, bitte! Danke und herzlichen Glückwunsch!

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