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“Fürs Web habe ich keine Zeit…”

Aus gegebenem Anlass, wie man so schön sagt, habe ich einmal einige Quellen und Antworten auf meine Lieblings-“Argumente” und rhetorischen Girlanden der Web-Skeptiker zusammen gestellt… Die möchte ich Euch nicht vorenthalten:

1. Das Web 2.0 ist doch technisch nichts Neues

Das eigentlich Bemerkenswerte am öffentlich geäußerten Missmut über das Neue aber ist, wie stark er vom Lebensalter und wie wenig vom Gegenstand der Kritik abhängt. Dieselben Menschen, die in den Neunzigern das Internet begrüßten, lehnen zehn Jahre später dessen Weiterentwicklungen mit eben jenen damals belächelten Argumenten ab. Es ist leicht, Technologien zu schätzen und zu nutzen, die einem mit 25 oder 30 Status- und Wissensvorsprünge verschaffen. Wenn es einige Jahre später die eigenen Pfründen sind, die gegen den Fortschritt verteidigt werden müssen, wird es schwieriger.

In ihrer Merkur-Kolumne (1272009), siehe das Zitat, nimmt Kathrin Passig sehr schön die “Standardsituationen der Technik-Kritik” auseinander. Online hier.

2. Das Web ist was für junge Leute

Wirklich? Der Organisationspsychologe Peter Kruse kann zeigen, dass die Trennung im Netz nicht zwischen Jung und Alt verläuft, sondern zwischen den Digital Visitors und den Digital Residents. Die einen “konsumieren” das Internet, die anderen beteiligen sich daran, gestalten das Netz, erstellen eigene Inhalte.

Hier Kruses Vortrag auf der letzten Republica

3. Fürs Web habe ich keine Zeit

Ist die zur Verfügung stehende Zeit wirklich das Problem? Clay Shirky, Autor von “Here Comes Everybody” hat nachgerechnet, wieviele Stunden US-Amerikaner an einem Wochenende TV-Werbung schauen – und wie oft man mit dieser “Freizeit” die Wikipedia komplett neu schreiben könnte… Und kommt zu eindrucksvollen Zahlen!

Hier Shirkys über “Where do People Find the Time”

Und hier  seine Vorstellung von “Here Comes Everybody”

In der nächsten Folge geht es weiter… Mit “Ich brauche kein Web 2.0 für meine Arbeit” und “Die Masse ist nicht weise, sondern dumm”. Bleiben Sie an den Empfangsgeräten!

Gerald Fricke

Kommentare

  1. Hey Gerald, hallo geneigte Kommentarleser und -schreiber!
    Vielen dank für das schöne Kommentar! In Punkt eins möchte ich mich jedoch den Begriffskritikern anschließen. Das Web 2.0 ist keine, zumindest nicht ausschließliche, technische Neuerung. Es ist eine Veränderung des Verhaltens von Menschen! Der sooft beschrieene Paradigmenwechsel auf so vielen Ebenen. Und für die Nutzer ergeben sich tatsächlich, dem sonstigen Alltag fremde, Verhaltensnotwendigleiten die die Versionsfortschreibung rechtfertigen. Vielleicht aber doch lieber “Leben 2.0” und einfach nur “Web”.

  2. Jau, das meine ich damit, das Web ist eben keine Frage der Technik, sondern eine der Einstellung!

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