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Geschäftsmodelle im Web: “Automobilität 2.0“

“Automobilität 2.0“ – Marie-Noel Abu Samra, Eric Eibeck, Nadiia Gemba, und Annekatrin Gerlach

In der Webgesellschafts-Vorlesung werden Kooperationsgeschichten aus dem Web erzählt. In Form eines Pecha-Kucha Vortrages haben wir uns vor diesem Hintergrund mit dem Thema „Geschäftsmodelle im Web: Automobilität 2.0“ beschäftigt. Unsere Frage: “Nutzen statt Besitzen – wie beeinflusst die kooperative Webgesellschaft die Mobilität?”

Auto-Mobilität 2.0…?

Zu Beginn seien die drei Bestandteile des Begriffsgegenstandes kurz erläutert. Auto, das ist die Kurzform für Automobil und bezeichnet traditionell ein von einem Motor angetriebenes Fahrzeug. Der zweite Bestandteil ist die Mobilität. Ein beliebtes Beispiel für Mobilität ist das Auto, das es einer Person ermöglicht, von einem Ort zum anderen zu gelangen. Doch Mobilität ist immer abhängig vom Kontext. So versteht beispielsweise ein Physiotherapeut unter Mobilität etwas anderes als ein Autoverkäufer. Aus diesem Grund wird die Mobilität meistens durch ein zusätzliches Attributs definiert, in unserem Fall sei das die räumliche Mobilität. 2.O ist dem Web 2.0 entlehnt. Wir haben es hier mit einem Schlagwort zu tun, das für eine Reihe interaktiver und kollaborativer Elemente des Internets, speziell des World Wide Webs, verwendet wird. Dem Web 2.0 werden drei wesentliche Funktionen zugeschrieben: die Selbstdarstellung, die Vernetzung, die Veröffentlichung einer Meinung, Idee oder eines Beitrags. Wichtig zu wissen ist, dass diese drei Funktionen die Basis für eine erfolgreiche Kooperation bilden. Der Nutzer konsumiert nicht nur Inhalt, sondern stellt selbst Inhalte zur Verfügung. Der Zusammenhang zwischen Auto und Mobilität ist offensichtlich, fraglich ist nun, was das mit Web 2.0 zu tun hat.

„Tschüss Auto – hallo Smartphone“ – symbolischer Interaktionismus

Moderne Gesellschaften sind mobile Gesellschaften. Vor dem Hintergrund einer zunehmend global vernetzten Wirtschaftsstruktur werden Zeit, Mobilitätsverfügbarkeit und -flexibilität besonders für den hochmobilen Wissensarbeiter und den weltweit agierenden hypermobilen Hightech-Nomaden zu wertvollen Ressourcen. Der Automobilbesitz verliert damit zunehmend an Wert, wohingegen die Prämisse „Nutzen statt Besitzen“ an Bedeutung gewinnt. Dennoch wird das Automobil auch heute noch mit Komfort, Unabhängigkeit von Zeitplänen, Bequemlichkeit, Zeitersparnis und  nicht zuletzt Eigentum assoziiert. Das Auto ist das Statussymbol. Durch das Statussymbol  „MEIN Auto“ kann der Mensch seine soziale Stellung ausdrücken und anderen verdeutlichen, wer er ist und wie er behandelt werden möchte. Von anderer Seite jedoch wird das Auto nüchtern als Fortbewegungsmittel betrachtet und nicht mehr als ein Prestigeobjekt. Vor allem die junge Generation setzt zunehmend auf soziale Werte als Ausdruck ihrer Lebensqualität.

Mit der Theorie des symbolischen Interaktionismus kann der Wandel und die Bedeutung von Statussymbolen in der Gesellschaft gut erklärt werden, deshalb ein kleiner Exkurs an dieser Stelle. Der US-amerikanischer Philosoph und Psychologe George Herbert Mead beschreibt mit seiner Theorie die komplexen Wechselwirkungen, in der menschliches Verhalten und Symbole stehen. Wichtige Punkte seiner Theorie sind, dass (…):

1. das menschliche Verhalten in den meisten seiner Aspekte kultureller Natur ist,
2. das als kulturell bezeichnete menschliche Verhalten als Reaktion auf Statussymbole erscheint,
3. der Mensch fähig ist, Symbole zu verwenden, sobald ein Konsens über ihre Bedeutung existiert, 
4. die Bedeutung der Symbole im Laufe der Sozialisation erlernt wird.

Symbole werden somit von der Gesellschaft geschaffen und (wie alle sozialen Phänomene) unterliegen sie einen kontinuierlichen Wandlungsprozess. Wichtig für die Wirkung der Statussymbole ist, dass die Adressaten die Bedeutung der Symbole verstehen und deren Prestigewert teilen.

Mix it! Der Trend zu intermodalem Verkehr.

Die mobile Gesellschaft erzeugt einen Wandel der Werte im Kontext der Mobilität. Um spontan von A nach B zu kommen, nutzt der Mensch nicht mehr nur ein Fortbewegungsmittel, sondern jedes Verkehrsmittel was den gewünschten Zweck erfüllt – seien es das Fahrrad, der Bus, die Straßenbahn, der Zug oder das Auto. Die Nutzung mehrerer Verkehrsmittel wird als intermodaler Verkehr bezeichnet.

Das Auditorium war an diesem Tag mit 28 Personen besetzt. Auf die Frage nach dem heute genutzten Fortbewegungsmittel antworteten 7 Personen aus dem Auditorium “mit dem Fahrrad”, 3 mit dem Bus, 8 mit dem Auto, 6 mit der Bahn, 4 waren zu Fuß gekommen und 6 Personen haben mehr als ein Verkehrsmittel benutzt. Ein beachtlicher Teil – über 20% – war also intermodal zur Vorlesung gekommen.

E-Mobilität + Carsharing = Mobilität der Zukunft ?

Vor dem Hintergrund der wachsenden Bedeutung des intermodalen Verkehrs erlebt auch das Elektro-Auto einen Aufschwung. Zunächst am Anspruch einer Renn-Reise-Limousine gescheitert, scheint es nun neue Anwendungsfelder zu geben: Das e-Auto als ergänzendes und flexibles Fortbewegungsmittel scheint in Zeiten einer vernetzten Gesellschaft durchaus attraktiv, vor allem in Verbindung mit dem Carsharing-Modell. Carsharing bedeutet ins Deutsche übersetzt „das Auto teilen“, oder  besser gesagt: das Gemeinschaftsauto. Das heißt, dass man ein Auto fahren kann ohne selbst eines zu besitzen. Dieses Modell, verbunden mit mobilen Endgeräten, eröffnen der eMobilität eine ganz neue Welt. Beim “dezentralen” Carsharing teilen sich mehrere Personen einen Wagen. Das heißt, dass die Stationen im Stadtgebiet verteilt sind und sich in der Nähe der Wohnungen  privater Nutzer befinden. Das ermöglicht einen komfortablen Zugang zu den Fahrzeugen und der Nutzer braucht  nur  einmal einen Rahmenvertrag abzuschließen und kann jederzeit ein freies Auto wählen. Außerdem zielt das Carsharing-Konzept auf sparsame Autonutzung, da nach gebuchter Zeit bzw. nach  Kilometerzahl abgerechnet wird. Hier kann das e-Fahrzeug wieder glänzen, denn für Kurzstrecken ist es optimal und umweltfreundlich.

1988 wurde in Berlin die älteste Carsharing-Organisation gegründet – seither wird es in Deutschland immer beliebter. Inzwischen gibt es bundesweit hunderte Anbieter in nahezu allen Städten Deutschlands: Flinkster von der Deutschen Bahn AG, Car2Go von Daimler und Europcar, Quicar von Volkswagen, DriveNow von BMW etc. Neben dem kommerziellen Carsharing wird auch privates Carsharing in Deutschland  populär. Mit dem Motto „Tauschen statt Kaufen“ hat das Konzept das Ziel, die bereits vorhandenen Fahrzeuge zu nutzen, statt neue Autos anzuschaffen.  „Tamyca“ also Take my car bietet ein solches privates Carsharing Programm an. Jeder, der registriert ist, kann sein privates Auto ins Netz stellen oder die zur Verfügung gestellten Autos nutzen. 

Nutzen statt Besitzen!

Nutzt die kooperative Webgesellschaft der Mobilität?

Diese These steht nicht einzig für den preiswerten Eigennutzen. Davon abgeleitet lohnt sich ein Blick auf die Vision einer vernetzen Automobilität.

Dabei gilt es aus unserer Sicht drei Problemfelder zu lösen: Das Infrastruktur- , Reichweiten- und Vernetzungsproblem. Die Integration ins bestehende Verkehrs-, Energie- und Informationssystem hilft bei der Etablierung. Letzteres kann die Leistung der kooperativen Webgesellschaft sein, die sich im Web 2.0 vernetzt. Gefragt ist schließlich die nahtlose Vernetzung aller möglichen Verkehrsmittel, um eine wirklich “intermodale Mobilität” zu erreichen. Es stellt sich die Frage, wann das ganze rentabel, im Sinne eines Geschäftsmodells sein wird.

Unser Fazit

Flexibel, kostensparend, bequem, umweltfreundlich – so sieht unserer Meinung nach die Mobilität der Zukunft aus, die Mobilität 2.0. Zu diskutieren bleibt, wie dieser Wandel vom Web 2.0 und der kooperierenden Webgesellschaft beeinflusst wird. In der Nutzung des Internets in Kombination mit einer sich vertrauenden und kooperierenden Webgesellschaft scheint ungeahntes Potential verborgen zu sein.

Noch öffnet sich die Gesellschaft langsam für die Veränderungen im Kontext der Mobilität. Das eigene Auto ist eben doch das Beste, trotz durchweg positiver Erfahrung mit Carsharing-Modellen, so das Fazit der diskutierenden Gruppe im Anschluss des Vortrages.

Literaturempfehlungen

Quellen

Kommentare

  1. Hallo,

    Klasse Video und sehr schön erklärt!

    Beste Grüße vom Autonetzer-Team

    Daniel

  2. Vielen Dank, Daniel.
    Es freut mich sehr, dass es dir gefällt.

    Grüße Marie

    Von amarienoel am 5. August 2012 um 16:36 Uhr
  3. Ich habe ein Version 2.0 das Videos aktualisiert.
    Das Video und die Auflösung sind verbessert.

    http://www.youtube.com/watch?v=dewD3Yf26D4&feature=plcp
    Enjoi.

    Von EricEibeck am 20. August 2012 um 12:04 Uhr

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