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wi² Blog – Wirtschaftsinformatik & Informationsmanagement

“Hört zu, redet mit oder verzieht euch…”

Vor knapp anderthalb Jahren gab ich nach sechsmonatigem Lesen, Schreiben, Schwitzen und Twittern meine Magisterarbeit zum Thema „Microblogging in der Unternehmenskommunikation“ ab – 117 Seiten geballtes Zwitscherwissen, 8 Interviews mit twitternden Unternehmen und über 200 Seiten Anhang. (Zu Beginn meiner Arbeit hatte ich hier schon mal darüber berichtet – vielen Dank an dieser Stelle noch mal an Gerald Fricke (@Ballkultur) vom wi2 für seine Unterstützung).

Besonders schön finde ich ja die Frage, ob ich die Magisterarbeit mal kurz zusammenfassen könne. Warum nicht gleich in nur 140 Zeichen? Naja, hab ich ja gelernt bei Twitter, warum also nicht: „Mit Persönlichkeit, Authentizität, Transparenz, Schnelligkeit, Dialogbereitschaft können Unternehmen ihren Followern echten Mehrwert bieten.“ (Wer jetzt die Zeichen zählt, wird staunen!) Oder besser so: „Wacht endlich auf! Niemand steht auf euer Monolog-Gequatsche. Hört zu, redet mit oder verzieht euch, liebe Unternehmen!“

Dies konnte ich in spannenden Interviews mit twitternden Unternehmen (u. a. Google, eBay und Paramount)  sowie einer qualitativen Analyse dieser Interviews herausfinden. Insbesondere der Dialog mit Followern stellt einen erheblichen Mehrwert dar – für beide Seiten. Unternehmen lernen von ihren Followern/Kunden und erhalten wertvolles Feedback – gleichzeitig können sie schnellen Support anbieten (positiver Nebeneffekt: Sie entlasten ihren Kundenservice damit).

Letztlich hat mir meine Magisterarbeit sogar zu einem Job verholfen: Seit knapp einem Jahr arbeite ich in einer Social Media Agentur in Hamburg und kann die Theorie in die Praxis „überführen“.

Grundsätzlich kann ich mittlerweile auch aus der Praxis heraus mein Fazit der Arbeit bestätigen: Vor allem ein authentischer Auftritt vermittelt ein persönliches Bild des Unternehmens. Direkter Support und schnelle Hilfestellungen werden extrem gut angenommen. Wichtig ist aber eine strategische Herangehensweise – biete ich beispielsweise direkten Kundensupport an, müssen schnelle Abstimmungswege gewährleistet sein, um möglichst zeitnah reagieren zu können.
Besonders wichtig für Unternehmen im Social Web: Erst zuhören, dann mitmachen – ein kontinuierliches Monitoring bringt bereits im Vorfeld viele Erkenntnisse und kann die weitere Strategie entscheiden beeinflussen.

Und was hat mir die Magisterarbeit persönlich gebracht (neben einem tollen Job)? Vor allem die Faszination für das, was bei Twitter stattfindet: interessante Menschen, interessante Themen, interessante Diskussionen. Neben der immer wieder verblüffenden Kreativität in meiner Timeline hat Twitter im Grunde (fast) meinen persönlichen RSS-Reader abgelöst – den Filter kann ich durch „followen“ und „unfollowen“ der für mich relevanten bzw. irrelevante Inhalte und Twitterer selbst setzen. Die Faszination des Social Web – und speziell von Twitter – liegt nicht in der Plattform als Träger der Inhalte, sondern vielmehr in den Produzenten dieser Inhalte.

Strich drunter: Ich kann nur jedem raten, sich für seine Magisterarbeit ein Thema zu suchen, mit dem man sich auch nach 6 Monaten noch gern beschäftigt – ich würde es auf jeden Fall wieder so machen…

Markus Krüger

Kommentare

  1. Hallo Markus, vielen Dank für Deinen schönen Theorie-Praxis-Transfer…!
    In meiner Vorlesung zur Webgesellschaft versuche ich das auch hinzukriegen, den Brückenschlag von kommunikations- und sozialwissenschaftlichen Theorien zur gestaltungsorientierten Wirtschaftsinformatik. Gerne auch mit Medienwissenschaftlern! Auftakt ist am 8.4.2011, 11:30 Uhr, im Raum SN 22.1.

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