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“Kooperation ist die Einstellung…”

“Kooperation ist die Einstellung” from Gerald Fricke on Vimeo.

Prof. Dr. Susanne Robra-Bissantz: Kooperation ist die Einstellung – Das Web 2.0 ist mehr als Marketing und PR. Vortrag, Hannover 18.05.2010

Frau Robra-Bissantz, “Kooperation ist die Einstellung”, was meinen Sie damit? Und was hat das mit dem Web 2.0 zu tun?

Susanne Robra-Bissantz: Rollen wir doch noch einmal kurz die letzten Entwicklungen knapp und einfach auf. Wir haben die Technologie. Die soziale Software, das Web 2.0, eben die Medien, die eine multimediale Kommunikation zwischen allen wirklich einfach machen. Dazu haben wir die Menschen, allen voran unsere Digital Natives, die sozusagen im Internet leben und ganz natürlich und intuitiv mit den neuen Diensten umgehen. Was passiert dann? Ja, Märkte sind Gespräche, Unternehmen können sich nicht mehr so einfach „Hochglanz“ präsentieren und positionieren. In Wikinomics entstehen Marken mit den Kunden, Unternehmen hören zu und man arbeitet zusammen an Problemstellungen. Jedenfalls in Einzelfällen ist das so. Und wir stellen fest, dass man es durchaus wagen kann mitzumachen. Denn häufig sind es eben die Kunden, die ihre Bedürfnisse am Besten kennen, in Diskussionen mit Anspruchsgruppen tauchen durchaus sinnvolle Argumente auf und manchmal ist es wirklich einfach, in Zusammenarbeit eine Lösung zu finden, die man alleine nicht erzielt hätte. Jetzt geht es, denke ich, darum, dieses Denken in Zusammenarbeit – eben: Kooperation als Einstellung – zum Leben zu erwecken. So, dass es eben nicht bei Einzelfällen bleibt. Und so, dass wir lernen, immer besser zu kooperieren, so, dass wir es schaffen, zu vertrauen und Eitelkeiten abzubauen und so, dass wir gemeinsame Regeln finden für das soziale Miteinander im Web 2.0 – z. B. eine neue Form des Respekts.

Und der Lehrstuhl…?

Für uns als Lehrstuhl, der sich mit dem Web 2.0 und mit der Kooperation von Unternehmen mit seinen Partnern beschäftigt, ist das eine Herausforderung in der Forschung und ein Auftrag in allem, was wir sonst tun.

Wie treibt Sie und das Institut gerade in der Forschung um?

In der Forschung sind wir der Meinung, dass wir Kooperation in Organisationen und über diese hinaus gestalten können – mit elektronischen Medien. Hier arbeiten wir z. B. an elektronischen Kooperationsmechanismen. Richtig gelesen. Elektronischen Kooperationsmechanismen. Wir glauben, dass diese existieren, ebenso, wie es für verschiedene Kommunikationsaufgaben verschiedene elektronische Kommunikationsmechanismen gibt – instanziiert in Kommunikationsmedien, wie Telefon und Email. Und wie es für verschiedene Koordinationsaufgaben verschiedene Koordinationsmechanismen und -systeme gibt – hierzu gehören z. B. die unterschiedlichen Auktionsformen. Genauso kann man, unserer Meinung nach, Kooperationsmechanismen entwickeln und in Kooperationssysteme umsetzen, die genau zu verschiedenen Eigenschaften einer Kooperation in Organisationen und darüber hinaus passen. Wir kennen schon ganz gut „discuss2improve“ – implementiert in Sags uns, wo Studierenden untereinander und mit der TU ihre Probleme diskutieren und lösen. Wir arbeiten an „game2innovate“, einem Kooperationsmechanismus, mit dem spielerisch in einem elektronischen Umfeld kreative Ideen entstehen. „network2know“ wird auch kommen – hier entstehen soziale Netze für ein kollaboratives Vermehren von Wissen – z. B. für die Forschung an der TU Braunschweig. Und wenn man der Kooperation und ihrer Zielerreichung, z. B. in der Führung von Unternehmen, zwar vertrauen will, aber nicht blind, dann bietet sich zur Steuerung unser beliebter Ansatz der Situierung an – das Beobachten von Situationen, z. B. um mögliche Risiken schnell und rechtzeitig zu erkennen.

Lassen sich diese Kooperationen auch in das reale Leben übertragen…? Oder anders gefragt: “Lebt” das Web…?

Ja…! Wir wollen uns als Lehrstuhl darum kümmern, dass Zusammenarbeit entsteht, dass Probleme gelöst werden und sich Gruppen, z. B. die Älteren, bedürftige Kinder und die Studierenden in der Region, gegenseitig unterstützen. Denn wir glauben daran, dass das häufig einfacher ist, als man denkt – wenn man sich nur gegenseitig finden und miteinander sprechen kann. Und aus dieser virtuellen gegenseitigen Unterstützung müssen dann auch Anker entstehen, in das reale Leben. Man trifft sich, man hilft sich dann auch in materialisierter oder materieller Form – jedenfalls auch so, dass reale Wirkung entsteht.

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