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wi² Blog – Wirtschaftsinformatik & Informationsmanagement

Mein Blick in die Praxis eines Industrieunternehmens (Teil 2)

In meinem zweiten Eintrag berichte ich über meine wahrgenommenen Aufgaben. Dabei habe ich in einem Projekt zur Entwicklung eines IT-Systems gearbeitet, d. h. ich war an allen Aufgaben von der Planung bis zur Fertigstellung beteiligt. Hier hatte ich die Aufgabe bestimmte Fehlerdaten, die während des Fahrzeugproduktionsprozesses entstehen und in verschiedenen Datenbanken gespeichert werden, in einer zentralen Datenbank zusammenzufassen.

Daneben kamen noch einige typische „Praktikantenaufgaben“ hinzu, wie beispielsweise mit Mitarbeitern eines chinesischen Werkes des Konzerns eine Stadtrundfahrt machen oder ein paar Runden auf der werkseigenen Teststrecke fahren.

Da eine solche Applikation bisher noch nicht vorhanden war, konnte ich bei der Entwicklung auf „der grünen Wiese“ anfangen, was in der Regel eher selten vorkommt. Hierbei hatte ich viele Freiheiten, beispielsweise bei der Wahl der genutzten Softwarekomponenten. So waren lediglich die fachlichen Anforderungen der Abteilung vorgegeben und der Rest konnte frei gestaltet werden.

Hier einige Aufgaben, die ich im Rahmen der Entwicklung wahrgenommen habe:

  • Anforderungsermittlung
  • Datenanalyse
  • Einrichten eines Datenbankservers (inkl. Erstellung der Datenbank)
  • Einrichten eines Webservers
  • Entwicklung der Oberfläche
  • ETL-Prozess 
  • Applikationstest
  • Präsentation und Diskussion von (Zwischen-)Ergebnisse

Die Idee für diese Anwendung stammte von dem damaligen Abteilungsleiter, den es störte, immer Informationen in mehreren Datenbanken aufwendig suchen und zusammenführen zu müssen. Es ist häufig so, dass Ideen und Vorschläge zur Verbesserung für solche Projekte von Mitarbeitern und Führungskräften selbst eingebracht werden, da diese regelmäßig die Anwendungen nutzen und daher Schwachstellen und Optimierungspotenziale kennen.

Die Konzepte für eine Applikation entstehen anschließend in abteilungsübergreifender Zusammenarbeit.  Die Implementierung wird in unterschiedliche Arbeitspakete aufgeteilt und jeweils von einzelnen Personen bearbeitet. So wird beispielsweise die Erstellung einzelner Programmfunktionen (wie die Gestaltung der graphischen Oberfläche) in der Regel in Einzelarbeit durchgeführt. Meiner Meinung nach ist dies die optimale Vorgehensweise, da die Umsetzung des Konzeptes in „Code“ eine Tätigkeit ist, bei der viel Konzentration benötigt wird.

Die Präsentation von Zwischen- und Projektergebnissen ist auch ein wichtiges Thema im Aufgabenportfolio eines Wirtschaftsinformatikers. Zunächst ist hier in erster Linie der Empfänger der entschiedene Faktor, da die zu vermittelnden Informationen speziell für ihn aufbereitet werden müssen. Konkret bedeutet das, dass z. B. eine Führungskraft kein Interesse an technischen Details hat, sondern an der konkreten Umsetzung sowie den damit verbundenen Vorteilen interessiert ist und die Präsentation diese für die betreffende Person klar hervorheben muss.

Weiterhin ist das Management der Erwartungshaltung ein wichtiger Aspekt bei solchen Gesprächen. Da viele Führungskräfte kaum IT-Hintergrundgrund besitzen und daher Aufwandsschätzungen für Softwareentwicklung nur schwerlich durchführen können, ist eine realistische Einschätzung notwendig, um so einen ausreichenden Zeitrahmen für ein Projekt zu definieren. Hierbei sind anfangs die Programmierkenntnisse aus dem Studium relevant, da man basierend auf diesen eine grobe Abschätzung erstellen kann. Ebenso können bei Besprechungen eigene Ideen eingebracht sowie Vorschläge kommentiert und deren Umsetzbarkeit kritisch diskutiert werden.

Im nächsten Eintrag werden ich über den Einstieg in die Praxis und was es dort zu beachten gibt berichten.

Bis dahin

Matthias Dossow

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