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wi² Blog – Wirtschaftsinformatik & Informationsmanagement

Mein Blick in die Praxis eines Industrieunternehmens (Teil 3)

In meinem abschließenden Eintrag möchte ich darstellen, welche Punkte aus meiner Sicht beim Einstieg als Wirtschaftsinformatiker zu beachten sind und was die Tätigkeiten besonders auszeichnet. Am Beginn meines Praktikums habe ich keinen „Praxisschock“ erlebt, d. h. ich denke, dass die Vorbereitung auf reale Tätigkeiten ausreichend ist. Dennoch sollte bedacht werden, dass die Einarbeitung doch eine gewisse Zeit in Anspruch nimmt und Abweichungen zwischen Theorie und der täglichen praktischen Arbeit existieren.

Einen wichtigen Punkt stellt das eigene Wissen bzw. der Umgang mit diesem dar. Hierbei sollte klar sein, dass die während des Studium erworbenen Kenntnisse lediglich die Grundlage für die Erfüllung der Aufgaben bilden. Durch die praktische Anwendung bemerkt man an welchen Stellen noch Lücken im vorhandenen Wissen bestehen. Ebenso ist das Verknüpfen von Inhalten aus unterschiedlichen Lehrveranstaltungen ein wichtiger Aspekt, welcher in der Praxis relevant ist. Als Illustration hierfür können die in der Praxis verwendeten Programmiersprachen herangezogen werden. Hier ist es ggf. notwendig sich in eine unbekannte Programmiersprache einzuarbeiten, dennoch ist es möglich die in den entsprechenden Lehrveranstaltungen vermittelten Kenntnisse auf eine neue Situation anzuwenden. Bei der Einarbeitung in Themengebiete der Praxis ist weiterhin das vermittelte Wissen hilfreich, da einige Themenkomplexe aus Lehrveranstaltungen bekannt sind und so ein Bezug zwischen Theorie und Praxis besteht.

Besonders in einer Disziplin wie der Wirtschaftsinformatik, in welcher häufig neue Erkenntnisse publiziert werden, ist regelmäßige Weiterbildung notwendig, um einen Überblick über aktuelle Entwicklungen und ggf. den derzeitigen Forschungsstand zu haben. Dies haben mittlerweile auch Unternehmen erkannt und bieten ihren Beschäftigten verschiedene Möglichkeiten zur Weiterbildung, wie beispielsweise unterschiedliche Schulungen sowie unternehmensinterne Bibliotheken bei welchen aktuelle Literatur (auf Mitarbeiterwunsch) kostenfrei beschafft und verleihen wird.

Neben dem Fachwissen ist in vielen Fällen auch noch Branchen- und Prozesswissen notwendig, d. h. Kenntnisse, die im Zusammenhang mit den Unternehmensaufgaben stehen. Hierzu gehören beispielsweise die spezifische Informationsbeschaffung, diverse (unternehmensinterne) Kennzahlen, deren Berechnungsweise. Dieses Wissen ist häufig dezentral und personengebunden anzutreffen und daher für Ausstehende bzw. neue Mitarbeiter nur schwer erreichbar. Durch IT-Unterstützung wird der Erwerb dieses Wissens zwar erleichtert, dennoch ist hier meiner Erfahrung nach noch Optimierungspotenzial vorhanden. Hierbei kommt hinzu, dass in vielen Unternehmen eine heterogene IT-Landschaft vorzufinden ist, welche durch unterschiedlichste Anwendungssysteme geprägt ist. Dies erhöht den Einarbeitungsaufwand zusätzlich, da ein standardisiertes Vorgehen bei der Arbeit mit den Systemen in vielen Fällen nicht möglich ist.

Als Voraussetzung für eine langfristige Tätigkeit in einem Konzern wird in vielen Fällen der Abschluss eines Master-Studiums vorausgesetzt, da davon ausgegangen wird, dass im Rahmen eines Bachelor-Studiums noch nicht alle notwendigen Kenntnisse vermittelt werden konnten. Wichtig ist ebenfalls die Wahl der entsprechenden Vertiefungsfächer. Hierbei habe ich festellen können, dass (relationale) Datenbanken ein wichtiger Bestandteil im Aufgabenportfolio eines Wirtschaftsinformatikers sind und auch auf absehbare Zeit nicht wegfallen werden. Entsprechend wählte ich das passende Vertiefungsmodul in meinem Master-Studium.

Dies ist mein letzter Eintrag zu dem Thema und ich hoffe, dass euch meine Berichte gefallen haben.

Viele Grüße

Matthias Dossow

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