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wi² Blog – Wirtschaftsinformatik & Informationsmanagement

Second Life, die Zweite

Inzwischen haben wir schon einige Zeit mit der Suche nach dem Sinn des „zweiten Lebens“ verbracht. Wir haben viel über den Sinn oder Unsinn von Second Life diskutiert und philosophiert. Anfangs standen wir vor der, von anderen oft genug vorgelebten Erkenntnis, dass wir uns auf eine ziemlich aussichtslose Suche begeben hatten.

Doch damit wollten wir uns nicht zufrieden geben. Zu dritt haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, mögliche Ansätze zur sinnvollen Nutzung von Second Life zu finden – sofern solche existierten. Anderen Firmen und, für uns natürlich von besonderem Interesse, Universitäten ist das offenbar misslungen. Also stellten wir uns die Frage „Was machen die anderen falsch?“.

Schnell fiel uns ins Auge, dass andere Universitäten sich in den Möglichkeiten der Informationsdarstellung verschätzt hatten. Niemand nimmt sich in Second Life die Zeit zu warten, bis unzählige Informationstafeln voller Text geladen sind und wird sie sich dann auch noch durchlesen. Das ist der Ansatz vom Web 1.0, wo er durchaus sinnvoll ist. In dieser neuen Umgebung jedoch wirkt er so fehl am Platz wie ein Pferdegespann vor einem Ferrari.

Das konnte es also nicht sein. Second Life setzt nicht auf Text, sondern auf Grafik. Es wirkt schon skurril wie dieser entscheidende Unterschied zum weit verbreiteten Web übersehen werden kann, wo doch gerade hierfür die Werbetrommel von Linden Lab gerührt wird.

Also weg vom Text, hin zur Grafik, zur Ausnutzung der eigentlichen Vorteile der virtuellen 3D-Welt. Wir beschlossen also, ein Gebäude zu bauen in dem wir unsere drei Bereiche („Wohnen“, „Freizeit“ und „Sport“) unterbringen wollten. Dieses haben wir in drei Etagen aufgeteilt, die wir grafisch ansprechend im Sinne des jeweiligen Bereichs eingerichtet haben. Somit hatten wir die herauskristallisierte neue Fähigkeit von Second Life genutzt.

Nun mussten wir das ganze nur noch mit sinnvollen Informationen füllen. Wir entschlossen uns zweigleisig zu fahren. In den zwei Bereichen „Sport“ und „Wohnen“ schufen wir eine Verbindung zum wohl bekannten Web, indem wir verschiedene Einrichtungsgegenstände sinnvoll mit Internetlinks versahen. Zu viele Informationen waren es, als dass man sie grafisch hätte darstellen können. Text musste her. Und dafür, so hatten wir gelernt, war Second Life einfach das falsche Werkzeug.

Den dritten Bereich „Freizeit“ wollten wir ohne diese Stütze realisieren. Also haben wir angefangen, Vorstellungsplakate für Lokalitäten in Braunschweig zu erstellen und in der thematisch angepassten Umgebung auszustellen.

Unser Ziel haben wir jetzt erreicht: Ein grafisch ansprechender Ort wurde erschaffen, an dem wir viele interessante Informationen aus verschiedenen Gebieten zusammengetragen und innerhalb der Möglichkeiten von Second Life aufbereitet haben. Ob das Angebot auf Gegenliebe seitens der Zielgruppe stößt bleibt abzuwarten. Ein Erfolg jedoch hat sich schon eingestellt: Die virtuelle Realität wird kommen. Früher oder später, wenn die Technik weit genug ist. Dessen sind wir uns sicher. Und wir – das heißt alle Beteiligten am Projekt der TU – haben dann schon Erfahrungen mit ihr gemacht und können diese dann nutzbringend einsetzen.

Kommentare

  1. Die Insel wächst also und bietet immer mehr Content. Mir gefällt das Gebäude sehr gut. Schauen wir mal, was sich in der nächsten Zeit noch auf der Insel tut. Vielen Dank!

    Von Patrick Helmholz am 9. Februar 2009 um 11:10 Uhr
  2. Second Life ist für so vieles denkbar ungeeignet und gedanklich eher in den Cyber-Space- und Virtual-Reality-Fantasien der 80er und 90er Jahre als im modernen Web angesiedelt. Warum die “Nachteile” aus dem “Real Life” ins Internet übernehmen? Warum virtuelle Entfernungen zurücklegen, wenn im Web ein Mausklick genügt? Warum sich mit emotional eingeschränkten, zombihaften Avataren in einer der realen Welt entlehnten Architektur und virtuellen Physik treffen? Dreidimensionale Abbilder von Objekten als Metapher oder Verweise innerhalb Second Lifes oder ins übrige Web sind meist eher Rätselraten als hilfreich.

    Wenn der Begriff Web 2.0 mal wieder strapaziert wird (und hey, er versteckt sich in den Tags zum Artikel), wie lässt sich Second Life in dieses einordnen? Insel, Häuser und Räume – Inhalte abhängig von Raum und Besitzer, erwerbbare Grundstücke und virtuelle Güter, künstliche von einer Firma gesteuerte Restriktionen und Verknappung in einem Medium das theoretisch unbegrenzt Ressourcen bietet. Ist das Web 2.0? Nein, das ist es ganz un gar nicht.

    Second Life ist ein letztes, großes Aufbäumen eines alten Webs. Man mag es Web 1.0 nennen. Ein weitesgehend abgeschirmter eigener Kosmos. Nicht Visonär, vielmehr reaktionär. Eine aufgepeppte Welt des Chats und Shoppings.

    Ob technologisch, sozial, politsch – das Web entwickelt sich momentan so unglaublich schnell und exponentiell in alle Richtungen. Nur Second Life, schon fast sechs Jahre der Betaphase entwachsen, lässt jegliche innovative Impulse vermissen.

    Setzt nicht auf dieses tote Pferd. Seid innovativ! Nutzt und schafft neue Plattformen. Legt die Fesseln der “echten” Welt ab, schmeißt alte Metaphern über Board und findet bewährte und vor allem neue und gewagte Wege in diesem unserem Web.

  3. Ich kann Dennis nur zustimmen: Es ist endlich Ruhe eingekehrt in Sachen secondlife. Nicht jede Massenpublikation berichtet mehr, um auch hipp zu sein darüber, Firmen schließen aktiv ihre Niederlassungen im zweiten Leben (was ja interessant ist, denn man könnte ja auch einfach die Logos „abnehmen“ und alles „vergammeln“ lassen), der sinnlose Hype ist vorbei.

    Was nicht angesprochen wurde ist die Tatsache, dass SL anscheinend schon einen Sinn hat, nämlich anscheinend gelangweilten Cyberhelden in Nacktanzügen die Plattform zu bieten sich dem Cybersex hinzugeben. Na, wer es mag, … mehr scheint wirklich nicht da draußen zu sein in den endlosen Weiten der Lindenlabs-Server.

    Wer das ganze in Kurzform durchleben will, sollte sich HACKERS auf DVD leihen oder kaufen und danach dann Second Life vergessen, denn der Film spielt genau die Klischees, die Dennis anspricht, aus, kann aber im Gegensatz zu SL unterhalten. IMHO.

    Move on, second life is dead.

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