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“Städte sind Gespräche”

Letzten Montag war ich in Bremerhaven, bei der Herbsttagung der Bundesvereinigung City- und Stadtmarketing Deutschland (bcsd) zu Gast („Virtuell, viral, wirkungsvoll – Neue Medien und Methoden im Stadtmarketing online und offline“) – und habe den einführenden Vortrag Städte sind Gespräche gehalten… Hier einige Impressionen davon.

Gerald Fricke: Städte sind Gespräche. Vortrag in Bremerhaven, 09.11.2009.

Zunächst habe ich nach den handlungs-, systemtheoretischen und konstruktivistischen Begründungen der Stadt als Kollektivakteur, als Sinnstifter und Lebensort gefragt. Das Bild einer Stadt formt sich durch unsere Gespräche, gleichzeitig dient „die Stadt“ als Projektionsfläche für viele Wünsche, Hoffnungen oder Ängste – und das hat sie mit „dem Internet“ durchaus gemein.

Der erste urkundlich erwähnte „Flashmob“ in Bremerhaven  hat sich zum Beispiel 1958 ereignet, bei der Ankunft von GI Elvis Presley in Deutschland. Darüber sprechen wir noch heute. Weiter ging es in der Präsentation über Eintracht Braunschweig 1967 (die Meisterschaft!), den Retro-Futurismus (mit atomgetriebenen Autos auf achtspurigen Stadtautobahnen), die Slow City Überlingen, die Idee der autofreien Innenstadt, verwirklicht ausgerechnet und höchstdialektisch in der Wolfsburger Autostadt, über die Stadt als unschöne “Dauerwerbesendung” und das Werbeverbot in Sao Paulo bis zur Rückbesinnung auf den „idealen“ Markt im Mittelalter.

Und das Web 2.0? Prägt das Bild der Stadt, mehr als jedes Stadtmarketing, so die These. Gespräche stiften Gemeinschaft und konstituieren das Bild der Stadt – zum Beispiel als einen Ort, der den “Rückkanal” und neue demokratische Angebote für seine Bürger bereit hält, so mein normativer Ausblick. Benjamin Barber beschrieb schon früh die Vision einer idealen interaktiven Demokratie im globalen elektronischen Dorf. Die neuen Technologien sollten für den Übergang von der „schwachen“ zur „starken“ Demokratie, von der Vertretungs- zur Mitwirkungsdemokratie, genutzt werden; damit solle sich wieder dem klassischen Ideal direkter demokratischer Selbstregierung in überschaubaren Stadtstaaten angenähert werden, das im 20. Jahrhundert unmöglich geworden und dem Repräsentationsmodell gewichen ist.  Oder, was meint Ihr…?

Gerald Fricke

Kommentare

  1. Mensch, das ging ja an mir vorbei… Aber die erste Pose sieht schon kaempferisch aus. Sehr gut!

    Von Markus Weinmann am 17. November 2009 um 11:10 Uhr

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