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Studienarbeit “Google Wave im Unternehmen”

Was ist Google Wave? Kurz zusammengefasst könnte man Wave als eine webbasierte Kollaborationssoftware bezeichnen, die es mehreren  Personen ermöglicht, in Echtzeit zu kommunizieren bzw. gemeinsam an einem Dokument zu arbeiten. Google versuchte mit Google Wave verschiedene bereits bekannte Dienste wie E-Mail, Instant Messaging, Wikis und Foren unter einer gemeinsamen Oberfläche zu vereinen, zusätzlich jedoch noch um neue Funktionen zu erweitern, um damit den gewachsenen Anforderungen gerecht zu werden.

In  einer Studienarbeit habe ich mich mit den Potenzialen von Google Wave befasst, mögliche Einsatzgebiete im unternehmensweiten Einsatz erörtert und dabei ausführlich den datenschutzrechtlichen Aspekt diskutiert.

In Zeiten internationaler Märkte ändert sich die Zusammenarbeit im Unternehmen, sowohl zwischen den Mitarbeitern, als auch hin zum Kunden. Die momentane Situation fordert Teamarbeit, oft auch über Landesgrenzen hinweg. In vielen Fällen folgt der Arbeitsplatz dem Mitarbeiter, z.B. in Form mobiler Endgeräte, wie Smartphones oder Laptops. Diese veränderte Situation macht es erforderlich, neue Systeme zur Kommunikation zu finden und zu nutzen. Kollaborative Software generell und Google Wave im speziellen kann einem Unternehmen Vorteile verschaffen. So bietet diese z.B. die Möglichkeit, von jedem Standort aus an Konferenzen und Meetings teilzunehmen, was Reisekosten spart. Zudem werden die Mitarbeiter in die Lage versetzt, von überall aus produktiv zu arbeiten. Des Weiteren kann kollaborative Software zu einer gesteigerten Mitarbeitermotivation beitragen, wenn sie dem Mitarbeiter gestattet, eigene Ideen und Vorschläge einfach und schnell einzubringen. Kundenbeziehungen lassen sich durch verstärkte Kundenbindung in Form von Communities oder die Möglichkeit Feedbacks zu geben verbessern. Innovation hängt stark davon ab, wie einfach es den Mitarbeitern gemacht wird, sich kreativ mit in das Unternehmen einzubringen. Kollaborative Software kann auch hier unterstützen. Weniger hierarchisch geprägte Kommunikation führt zu schnelleren Ergebnissen. Entscheidungen können somit schneller getroffen werden.

Eine weitere zentrale Anforderung an ein kollaboratives IT-gestütztes System ist es, alle Kommunikationskanäle zu vereinen. Wave erfüllt dieses Kriterium, geht allerdings noch einen Schritt weiter, indem es die Nutzer in die Lage versetzt, gemeinsam in Echtzeit zu arbeiten. Damit bietet es nicht nur die Möglichkeit zu kommunizieren, sondern versetzt die Teilnehmer auch in die Lage, zusammen an Dokumenten zu arbeiten bzw. Projekte zu planen. Natürlich ist Google in diesem Bereich nicht allein. Auch andere Unternehmen wie Microsoft mit Microsoft Sharepoint oder Microsoft Groove, bieten ähnliche Funktionalitäten. Ebenso ist SAP mit seiner Kollaborationssoftware StreamWork am Markt vertreten, um nur einige zu nennen. Dabei handelt es sich allerdings um proprietäre Systeme. Das Google Wave Protokoll wurde von Beginn an unter einer OpenSource Lizenz zur Verfügung gestellt und bietet daher weitreichendere Möglichkeiten, darunter u.a. die genauere Anpassbarkeit an die eigenen Bedürfnisse. Doch welche konkreten Einsatzgebiete könnte Wave im unternehmerischen Umfeld bieten? Besonders für folgende Aspekte könnte sich der Einsatz von Wave als nützlich herausstellen:

  1. Projektmanagement (für interne und externe Projekte)
  2. Modellierungen (mit SAP Gravity stellte SAP ein kollaboratives BPM Tool als Prototyp vor)
  3. Brainstorming (neue Ideen könnten in Wave veröffentlicht und diskutiert werden)
  4. Konferenzen / Vorträge (Mitarbeiter können an Konferenzen partizipieren, ohne vor Ort sein zu müssen)
  5. Meetings (z. B. Videotelefonie über entsprechende Erweiterungen)
  6. Entscheidungsfindung (die klare Struktur einer Wave ermöglicht eine gute Diskussionsführung)

Diese Gründe sprechen für Google Wave. Ein kritischer Punkt ist jedoch der datenschutzrechtliche Aspekt. Grundsätzlich gab es während der Erstellung meiner Studienarbeit zwei Möglichkeiten Google Wave zu nutzen: Zum einen war es möglich, einen eigenen autarken Waveserver aufzusetzen, der völlig unabhängig von der Google Infrastruktur installiert und genutzt werden konnte. Diese Möglichkeit existiert auch weiterhin. Zum anderen stellte Google unter wave.google.com einen eigenen Wavedienst bereit. Dieser umfasste eine eigene Webanwendung und selbstverständlich das zugrundeliegende Protokoll. Der Nutzer konnte sich zur Wavenutzung, wie beispielsweise auch von diversen Webmail-Anbietern bekannt, auf der Webseite anmelden und Google Wave über den Browser nutzen. Die Nutzung über den Browser jedoch wirft datenschutzrechtliche Fragen auf, denn ein Unternehmen muss dafür seine sensiblen Kommunikationsdaten auf fremden Server abspeichern.

Daher war meine Empfehlung, Google Wave nicht direkt über den von Google selbst bereitgestellten Dienst zu nutzen, sondern einen eigenen Server aufzusetzen. Zeitnah zur Fertigstellung der Studienarbeit hat sich Google entschlossen, seinen eigenen Wave Webdienst, aufgrund mangelnder Nachfrage, zum Ende des Jahres 2010 einzustellen. Da das Wave-Federation-Protocol allerdings als OpenSource veröffentlicht wurde, existiert Wave als Community-Projekt weiter. Nun unter dem Namen “wave-in-a-box”. Nähere Informationen zu diesem Projekt finden sich unter http://www.waveprotocol.org/Home.

Damit bleibt Wave ein interessantes Projekt und sollte meiner Meinung nach von Unternehmen, die an kollaborativer Software interessiert sind, im Hinterkopf behalten werden.

An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal ausdrücklich bei Elena  Kozlowski für die super nette und kompetente Betreuung bedanken.

Es hat mir viel Spaß gemacht!

Malte Lachnit

Kommentare

  1. Vielen Dank Malte für den super Blogeintrag!
    Ist wirklich ein interessantes Thema.

    Von Elena Kozlowski am 21. Januar 2011 um 13:48 Uhr

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