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Transformation des Privaten im Web: Brauchen wir neue Konventionen?

“Transformation des Privaten im Web: Brauchen wir neue Konventionen?– PechaKucha-Vortrag von T. Kittkowske, M. Lachnit, R. Ulfig, S. Roemer, M. Willich

Unumstritten hat sich das Internet gesellschaftlich fest etabliert. Internetdienste sind allgegenwärtig und können gegenüber der analogen Welt einen Mehrwert bieten. Allerdings stellen die neuen Web-2.0-Technologien in vielerlei Hinsicht auch Herausforderungen an unsere Gesellschaft, die so vorher noch nicht diskutiert werden konnten bzw. aus der analogen Welt nicht ohne weiteres auf eine digitale Gesellschaft übertragbar sind. Damit ergeben sich neue Fragestellungen, denen sich unsere Gesellschaft zunächst stellen muss, um dann mit Hilfe von Konventionen und gegebenenfalls Gesetzen geeignete Regelungen für den Umgang mit neuen Technologien schaffen zu können.

Kooperationen:
Als einleitende Fragestellung in unserem Vortrag in der Webgesellschafts-Vorlesung betrachteten wir den Begriff der Kooperation. Prinzipiell kooperieren Menschen in allen Lebenslagen und können durch einen freiwilligen Zusammenschluss ähnliche Ziele verfolgen und erreichen. Im Sinne des häufig zitierten Satzes von Aristoteles: „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“, kann in einer Kooperation von Menschen mehr geschafft und erreicht werden, als jeder einzelne dies zu tun vermag. In diesem Zusammenhang spielt das Web 2.0 eine ganz entscheidende Rolle. Mit seiner Hilfe und entsprechenden Plattformen und Technologien können Kooperationen leichter entstehen und vor allem weltweit gebildet werden.

Das Web 2.0 ermöglicht eine verstärkte Kommunikation, es können Informationen verbreitet, geteilt, gemehrt werden und eine internationale Vernetzung von Privatpersonen ist möglich [SPATH2006]. Natürlich muss an dieser Stelle gefragt werden, wie viele private Informationen der einzelne Mensch über sich Preis geben möchte – verschließt er sich allerdings dem Web 2.0, läuft er Gefahr, keine Kooperationen eingehen zu können [CYGANSKI2008]. Das Web 2.0 bietet die Möglichkeit, gemeinsam Wissen zu schaffen, indem gemeinsam kommuniziert wird und entsprechende Informationen koordiniert werden [ROBRA-BISSANTZ2010].

Jeder hat die Möglichkeit, sich mit Hilfe des Web 2.0 aktiv (gestaltend) oder passiv (lesend) einzubringen und auszutauschen. Hierin mündet außerdem ein Know-How-Transfer, der durch das Web 2.0 verstärkt wird. Für die Privatwirtschaft gelten ganz ähnliche Konzepte: Kernkompetenzen können in Kooperationen vernetzt werden, um ein optimales Ergebnis zu erzielen. Außerdem kann das Wissen der Kunden, die so mit dem Unternehmen kommunizieren, genutzt werden, es entsteht eine stärkere Kundenbeziehung, wodurch eine höhere Kundenbindung generiert werden kann [SPATH2006]. In all diesen Bereichen stellt das Web 2.0 eine verbesserte Möglichkeit der Kooperationen dar. Neben den genannten Chancen sollten aber auch mögliche Risiken betrachtet werden.

Medienkompetenz:

Eine immer stärkere Vernetzung der Menschen bringt also in vielerlei Hinsicht Vorteile. Aber insbesondere solche Dienste, die eine gute Vernetzung ermöglichen wollen, benötigen möglichst viele Informationen über ihre Nutzer, um gut funktionieren zu können. Die Grenzen zwischen Privatem und Öffentlichem sind dabei fließend. Wer welche Informationen zu sehen bekommt, kann oft nur über sehr versteckte Optionen eingestellt werden. Zudem speichern viele Betreiber sämtliche Informationen und Daten auch nach der Löschung durch den Nutzer weiterhin.

Nachdem das Volkszählungsurteil 1983 beschlossen wurde, sind die Bürger Deutschlands in öffentlichen Demonstrationen auf die Straße gegangen, um ihr Recht auf informationelle Selbstbestimmung einzufordern. Heutzutage finden kaum noch öffentliche Protestaktionen gegen einen möglichen Datenmissbrauch statt, obwohl den Nutzern nicht immer offenbart wird, wie mit ihren Daten umgegangen wird.

In Deutschland ist der Datenschutz im Internet über das Bundesdatenschutzgesetz (BDSG), das Telemediengesetz (TMG) und das Telekommunikationsgesetz (TKG) geregelt. Ebenso gilt das Recht auf informationelle Selbstbestimmung, d.h. jeder Bürger der Bundesrepublik Deutschland soll selber über die Preisgabe und Verwendung seiner personenbezogenen Daten bestimmen dürfen. So sind Betreiber deutscher Webdienste dazu verpflichtet, den Nutzer von Nutzungsbeginn an über Art, Umfang und Zweck der Erhebung und Verwendung von personenbezogenen Daten in allgemein verständlicher Form zu unterrichten (§ 13 Abs. 1 Satz 1 TMG). Im Ausland ansässige Betreiber von Web 2.0 Diensten sind allerdings nicht an das deutsche Datenschutzgesetz gebunden, sofern ihr Firmenhauptsitz nicht in Deutschland liegt. In den USA z.B., einem Hauptsitz vieler IT- Unternehmen, existiert keine reine Datenschutzbehörde. Hier gibt es lediglich Regulierungen für den öffentlichen Sektor. Der private Sektor ist von diesen Regulierungen jedoch nicht betroffen. Für eine Annäherung an die Datenschutzgesetze der europäischen Union (EU), können in den USA ansässige Unternehmen dem Safe- Harbor Abkommen beitreten, welches die legale Übermittlung personenbezogener Daten von EU Ländern in die USA ermöglicht. Dieses Abkommen ist allerdings nicht unumstritten, da die USA diese Vereinbarungen aufgrund des US Patriot Acts umgehen können [FINK2002]. Der Beitritt ist zudem freiwillig.
Hier steht also der Wunsch nach Privatheit und informationeller Selbstbestimmung im Konflikt gegenüber dem Wunsch nach Vernetzung und einfacher Kommunikation.

Eine mögliche Lösungsstrategie für datenschutzrechtliche Bedenken wäre es, auf alle Social Media Dienste zu verzichten und keine Informationen mehr über sich im Internet preiszugeben. Die Frage ist allerdings, wie einfach das heutzutage noch möglich ist, denn wer nicht bei Facebook ist, dem entgehen womöglich soziale Kontakte zu seinem Umfeld. Man darf wohl schon von einer Art sozialem Druck sprechen. Wenn also das Fernbleiben eine nicht für jeden optimale Lösung darstellt, was bleibt noch? Eine Antwort wäre die Medienkompetenz, d.h. ein Bewusstsein für die neuen Medien zu schaffen und den Umgang mit diesen zu schulen. Wer weiß, wie die neuen Dienste funktionieren, kann überhaupt erst entscheiden, wie er sich in ihnen bewegen will.

Das so geschaffene Bewusstsein für die Chancen sowie Risiken befähigt die Menschen zu einem verantwortungsvollen Umgang. 
Der Erziehungswissenschaftler Dieter Baacke prägte den Begriff der Medienkompetenz und untergliederte ihn in vier Hauptdimensionen, die Medienkritik, Medienkunde, Mediennutzung und Mediengestaltung [BAACKE1999]. Der in Medienkompetenz ausgebildete Mensch kann kritisch und selbstständig aus Medienangeboten auswählen, d.h. im Gegensatz zum passiv-rezeptiven seine Mediennutzung aktiv gestalten [LJEPOJEVIC2013]. Diese gewonnene Kompetenz kann helfen, sensible und persönliche Daten durch entsprechende Selbstorganisation und Eigenbestimmung zu schützen.

Post-Privacy:
Ein weiterer Ansatz basiert auf der These des Kontrollverlustes bzw. dessen Unterdiskurs der Post-Privacy. Wo Datenschützer noch Eingriffsmöglichkeiten sehen, den Menschen durch Datenschutzbestimmungen und Datenvermeidungsstrategien vor zu wenig Privatheit im Internet zu schützen, vertreten Anhänger dieser beiden Thesen die Auffassung, dass sich solche Möglichkeiten heutzutage gar nicht mehr bieten. Der Begriff der Post-Privacy entstand in einem deutschen Diskurs zum Thema und wurde von Christian Heller (Twitter: @plomplomplom), Autor des Buches „Post-Privacy, Prima leben ohne Privatsphäre“, geprägt.

Viele Anhänger der Post-Privacy Thesen finden sich in der datenschutzkritischen Spackeria [HELLER, et. al. 2013] wieder. Michael Seemann (Twitter: @mspro) ist ein  weiterer bekannter Vertreter der Post-Privacy, der diese nicht als einheitliche Idee, sondern eher als lose Thesensammlung und Einladung zu einem Diskurs auffasst. Er hat diesem Thema einen eigenen Blog [SEEMANN2013] gewidmet. Auf diesem heißt es: “Ich glaube daran, dass man, sobald man sich äußert, nicht mehr in der Hand hat, was mit dieser Äußerung geschieht”[SEEMANN2010].

In einem weiteren Artikel schreibt er: “Wie können wir glauben, Kontrolle über unsere Daten zu haben, wenn diese heute beliebig verknüpfbar sind?” [SEEMANN2011] und spricht damit einen zentralen Gedanken der Post-Privacy These an, dass intelligente Algorithmen eingestellte Daten rekontextualisierbar auslesen und auswerten können und somit Zusammenhänge erkennen, unabhängig davon, ob einem Nutzer diese Zusammenhänge überhaupt bewusst sind. Da diese Algorithmen in Zukunft immer besser werden, ist es daher fraglich, inwieweit wir unser Recht auf informationelle Selbstbestimmung überhaupt noch wahrnehmen können [SEMANN2011].

Des Weiteren seien wir nicht mehr Herr unsere Daten, denn selbst wenn wir uns konsequent dem Internet verschlössen, würden Daten über uns durch Dritte eingestellt. So laden beispielsweise viele Smartphone Apps (Facebook, Apple, Google) das Adressbuch des Telefons zur Speicherung und Auswertung auf den eigenen Server. Demnach sind dort auch Menschen verzeichnet, die selbst gar nicht aktiv an einem sozialen Netzwerk teilnehmen. Post-Privacy wird als Zustand aufgefasst, auf den unsere Gesellschaft unweigerlich zusteuert. In der Vergangenheit wurde die Privatsphäre auf natürlich Weise durch die hohen Transaktionskosten der Kommunikation hergestellt.

In der digitalen Gesellschaft, die immer mehr Informationen zur Verfügung stellt und den Zugang zu diesen erleichtert, muss die Privatsphäre künstlich geschaffen werden. Die Grenzen zwischen Öffentlichem und Privatem verschwimmen immer mehr. Was andere über uns wissen, können wir nicht mehr selbst kontrollieren. Neue Technologien erschweren uns die Kontrolle unserer Privatsphäre, denn an jeder Straßenecke könnten wir gefilmt oder fotografiert werden. Aufgrund dieser technologischen Entwicklungen beschäftigt sich die Post-Privacy mit der Frage, wie man mit diesem Kontrollverlust umgehen kann. Verhindern ließe er sich nicht mehr. Zumal viele Web 2.0 Anbieter ihren Firmenhauptsitz im Ausland haben, wo deutsche Datenschutzgesetzte nicht gelten. Datenschutz kann demnach als Schutz der Privilegierten begriffen werden, denn diese sind politisch oft durch eine Lobby vertreten und können folglich entscheidenden Einfluss nehmen.

Hinter Post-Privacy verbirgt sich also ein Metadiskurs über einen toleranten Gesellschaftsentwurf. Öffentlichkeit schafft Aufmerksamkeit. Ziel sollte es sein, keine Repressionen fürchten zu müssen, sofern man sein Privatleben veröffentlicht. Transparenz schafft Toleranz lautet eine Botschaft.

Konventionen:
Unter diesen Gesichtspunkten kommt die Frage auf, wie wir uns als Gesellschaft regeln und zwischen Richtig und Falsch unterscheiden.
Diese Aspekte fallen unter den Begriff Konvention. Unter Konventionen versteht man soziale Normen und mögliche Verhaltensweisen für soziale Situationen, die von einer Gruppe von Menschen aufgrund eines Konsenses eingehalten werden [DUDEN2013] Weil sie gesellschaftlich und kulturell bedingt sind, können sich Konventionen mit der Zeit verändern und je nach Kultur verschieden sein.

Es kommt somit die Frage auf, ob wir neue Konventionen brauchen, um uns in Zeiten des Web 2.0 selbst zu regulieren. Als gutes Beispiel für die Selbstregulierung innerhalb der Internet Community lässt sich die Netikette nennen. Netikette bildet sich aus den zwei Worten Internet und Etiquette und schlägt Verhaltensregeln vor, wie man sich im Internet benehmen sollte [NETPLANET2013].
Ein weiterer Kritikpunk an zusätzlichen Regulierungen ist, dass Überregulierungen auch als Innovationsbremsen angesehen werden können. So gibt es unter anderem am deutschen Datenschutz Kritik. Oft kommt es nach Einführung neuer Innovationen zum Aufschrei nach strikteren Gesetzen, die diese Innovation am besten ganz stoppen. Deshalb wird mitunter von der Politik eine „Balance zwischen Innovation und Privatsphäre“ gefordert [WELT2013]. „Datenschutzrecht soll Innovationen ermöglichen, nicht verhindern“ [MICROSOFT2013].

Dass diese Aufschreie meist verfrüht sind, lässt sich gut an der Entwicklung von Google sehen. Google steht oft in der Kritik aber die Gesellschaft hat sich letzendlich doch an die technischen Entwicklungen angepasst [ZEIT2013]. Somit ist es ratsam, erst einmal abzuwarten, ob sich Missstände bilden, bevor man mit Gesetzen darauf reagiert.

Google GLASS:
Ein Beispiel für ein innovatives Produkt stellt Google GLASS dar, das mittels neuer Technologien möglicherweise die Gesellschaft verändern kann [FORBES2012].
Google GLASS ist eine Datenbrille, eine Art tragbarer Computer, wie sie schon Anfang der 2000er Jahre entwickelt wurde [HANSEN2001] aber erst jetzt in einer kompakten Größe für ein breites Publikum zu einem Preis von weit unter 1000 Dollar verfügbar sein wird.

Die Bedienung der Brille erfolgt mittels Sprachbefehlen, Kopfbewegungen (Nicken), Berührung am Touchpad, sowie mittels Blinzeln des rechten Auges. Damit kann die Bedienung auch ohne Hände erfolgen, die durch Dritte nur schwer nachvollziehbar ist.

Mittels der integrierten Kamera können Audio- und Videoaufnahmen sowie Fotos vom Umfeld des Trägers erstellt werden. Diese werden in der Cloud, also auf den Servern von Google, gespeichert [DICKEY2013]. Das kann sowohl im privaten Umfeld, als auch im öffentlichen Raum zu Problemen führen und in einer ständigen Verletzung der Privatsphäre Dritter münden, da auf den Google Servern eine automatische Verknüpfung der gesendeten Daten mit bereits vorhandenen Daten erfolgt. Wie lange diese Daten auf den Servern von Google vorgehalten werden, ist nicht bekannt. Ein Zugriff auf die Daten wird nicht nur dem Benutzer und Google gewährt, sondern auch staatlichen Organisationen, wie den US Amerikanischen Geheimdiensten [PURSCHE2012].

Durch die Möglichkeit, unbemerkte Aufnahmen anfertigen zu können, ist eine weltweite Diskussion entstanden, wie mit Google GLASS bzw. deren Trägern umgegangen werden soll. Im Fokus steht dabei der zum Ende des Jahres geplante Verkaufsbeginn der Konsumentenversion als Massenprodukt, dem zu Folge sich vielleicht Millionen Google GLASS Träger im öffentlichen Raum bewegen könnten. [ZIEGLER2013]. In Deutschland muss der Google GLASS Benutzer im öffentlichen Raum auf die Verletzung allgemeiner Persönlichkeitsrechte Dritter achten. Dieses gilt insbesondere, wenn dem Träger keine Einwilligung der betroffenen Personen bezüglich der durch die Brille generierten Daten, die an die Google Server verschickt wurden, vorliegt. Besonders kritisch sind nicht genehmigte Aufnahmen des „nichtöffentlich gesprochenen Wortes“, die nach § 201 StGB mit einer Freiheitsstrafe durch den Gesetzgeber geahndet werden können [ZIEGLER2013].

Sicherlich werden sich in der Gesellschaft Konventionen bilden, die den Umgang mit Google GLASS und deren Träger betreffen. So kann ein Google GLASS Träger in einem persönlichen Gespräch die Brille absetzen, um zu signalisieren, dass gerade nicht durch die Brille aufgenommen wird [LOBO2013]. Auch Google ist sich der Problematik bewusst und hat jetzt Glassware Applikationen verboten, die zur Gesichtserkennung genutzt werden können [ENDRES2013]. Hier kann sicherlich diskutiert werden, ob so eine Maßnahme nicht innovationsbremsend ist, besonders in dem Hinblick darauf, dass Google GLASS schon gehackt wurde und daher trotzdem eine solche Applikation installiert werden könnte [STÖCKER2013].

Ein anderer Standpunkt, der sich  in der Gesellschaft etabliert, ist schon jetzt  in den USA zu sehen. Hier hat sich das Schimpfwort #glasshole innerhalb von Twitter entwickelt, dass auf die rücksichtslosen Google GLASS Träger abzielt [Twitter: @StartupLJackson2012]. Auch wurden schon Verbotsschilder entwickelt und Google GLASS freie Zonen für ein Restaurant ausgerufen [CLAY2013].
Eine weitere Überlegung ist, dass die Gesellschaft die technische Entwicklung letztlich akzeptiert und deren Vorteile über die Nachteile stellt. Es entwickeln sich selbstständig die passenden Konventionen und Normen. Dieses kann man durchaus auch schon in der Vergangenheit mit neuen Produkten, wie dem Smartphone, sehen, schließlich kann man mit diesen Geräten auch schon (heimlich) fotografieren, filmen und Audioaufnahmen herstellten. Dies ändert aber nichts an der gesellschaftlichen Übereinkunft, die Privatsphäre Dritter zu respektieren [BEUTH2013].

Diskussion:
Das aktuelle Thema Google GLASS stellt neue Herausforderungen an die immer stärker vernetzte Gesellschaft. Mit der These „Die Gesellschaft passt sich mit der Zeit an die neue Technologien an und entwickelt ihre eigenen Konventionen“, haben wir gemeinsam mit dem Plenum diskutiert.
Als ein Beispiel für eine neue Technologie wurde der Produzent Siemens genannt, der einen fast geräuschlosen Staubsauger auf den Markt brachte. Dieser fand aufgrund der ungewohnten Technik allerdings wenig Akzeptanz in der Gesellschaft, da diese eher lautstarke Staubsauger als leistungsfähig beurteilt. Das Plenum gab noch viele weitere technische Produktbeispiele, die von der Gesellschaft erfolgreich im Alltag genutzt werden oder keine Anwendung fanden.

Zudem gibt es in Bezug auf das technische Verständnis innerhalb der Gesellschaft große Unterschiede zwischen den Generationen und innerhalb sozialer Gruppen. Diejenigen, die mit neuen Technologien wie dem Internet aufgewachsen sind, finden häufig auch einen leichteren Zugang dazu. Ein Diskussionsbeispiel war die ältere Generation in der Gesellschaft, die zwar oft auch neue Technologien besitzt, diese im Alltag aber meist weniger intensiv nutzt. Dies kann darauf zurückgeführt werden, dass die genannte Gruppe oftmals nicht über das nötige Wissen und die damit verbundene Medienkompetenz verfügt.

Datenschutzrechliche Gesetze sichern die Privatsphäre, können allerdings nicht alle gesellschaftlich relevanten Fragestellungen abdecken. Daher bilden sich immer wieder bestimmte Konventionen im Umgang mit neuen Technologien. Gesellschaftlichen Konventionen und Normen werden dabei stark durch die Medienkompetenzen geprägt und sind ein entscheidender Faktor bei der immer wichtigeren Fragestellung, wo die Privatsphäre für jeden Bürger endet und der öffentliche Bereich beginnt.
Nach Habermas wird die Medienkompetenz auch in der Zukunft eine zentrale Rolle bei  Fragestellungen zur „Transformation des Privaten im Web“ spielen.

Malte Lachnit

Quellen:

  • [CYGANSKI2008] Cyganski, P. (2008): Soziale Netzwerke im Web 2.0 — Chancen, Risiken und Veränderungen für Organisationen. In: Becker, Jörg; Knackstedt, Ralf; Pfeiffer, Daniel (Hrsg.): Wertschöpfungsnetzwerke. Konzepte für das Netzwerkmanagement und Potenziale aktueller Informationstechnologien, Heidelberg: Physica-Verlag, 2008, S. 305 – 321
  • [FINK2002] Fink, S. (2002): Datenschutz zwischen Staat und Markt – Die „Safe Harbor“-Lösung als Resultat einer strategischen Interaktion zwischen der EU, den USA und der IT-Industrie. Konstanz 2002, http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:352-opus-10126 , Abgerufen: 23.06.2013, 13:51 Uhr
  • [HELLER, et. al. 2013] Heller, C., Geuter, J., Peukert, K., Mierau, C. C. (2013): Die datenschutzkritische Spackeria – BLOG, http://blog.spackeria.org/, Abgerufen: 23.06.2013, 14:47 Uhr
  • [ROBRA-BISSANTZ2010] Robra-Bissantz; Prof. Dr. S. (2010): Kooperation ist die Einstellung – Das Web 2.0 ist mehr als Marketing und PR. [Vortrag], Hannover
  • [SEEMANN2013] Seemann, M. (2013): ctrl-Verlust – Res gesta per amissionum – BLOG, http://www.ctrl-verlust.net/ , Abgerufen: 23.06.2013, 14:53 Uhr
  • [SPATH2006] Spath, D., Hofmann, J., Fröschle, N. (2006): Next Generation Online Communities — Von Webportalen über Business Communities zu Mobile Services im Web 2.0. In: Wojda, Franz; Barth, Alfred (Hrsg.): Innovative Kooperationsnetzwerke, Wiesbaden: Deutscher Universitäts- Verlag, 2006, S. 187 – 202
  • [ZIEGLER2013] Ziegler, Peter-Michael (2013): Blickpunkte, c’t Magazin für Computertechnik, Ausgabe 13, Jahrgang 2013, S. 70f

Kommentare

  1. Sehr schöner Eintrag, danke! Eine Anmerkung aus meiner Sicht: Mir geht es nicht in erster Linie um Medienkompetenz, sondern um Alltagsrelevanz. Das Web oder das “Web 2.0” sehe ich nicht als ein “neues Medium” für das wir neue Kompetenzen erwerben müssen, sondern als einen Assoziationsraum für kommunikatives Handeln, im Sinne der Actor-Network-Theorie, wie ich das auch in der Vorlesung gesagt habe. Und damit nicht als einen Cyberspace oder gar als “Neuland” (!), sondern als selbstverständlichen Teil unserer “realen Welt”. In dieser Welt leben Akteure, die durch kommunikatives Handeln miteinander verbunden sind – diese Dynamik versuche ich mit meiner “Webgesellschaft” auf einen Begriff zu bringen.
    Diese Welt verändert sich, getrieben durch eine Dialektik von Vereinheitlichung und Fragmenierung in der Weltgesellschaft. Diese “Große Transformation” von einer Massengesellschaft (mit Kollektivakteuren, Massenorganisationen, Massenmedien etc.) zu einem neuen Gesellschaftsmodell ist nicht unbedingt durch “die Technik” oder “das Web” ausgelöst worden, wird aber durch unser Handeln vorangetrieben.
    Dabei geht es auch darum, neue Konventionen für das Miteinander zu entwickeln, wie Ihr schreibt. Vielleicht auch im Rousseauschen Sinne eines neuen Gesellschaftsvertrags, wie ich das hier gesagt habe: http://youtu.be/j-VJxYkFARU.

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