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Twitter à gogo

Ja, es gibt immer noch Twitter! Und noch immer muss man Twitter erklären like it’s 2008. Aber wir machen das ja immer gerne, und natürlich auch dann, wenn die Zeitung anruft. Wie hier:

BZ Twitter

“Vom Gezwitscher zum Gebrüll”, Braunschweiger Zeitung vom 21.2.2013

Ich wurde gefragt, was “den Reiz” von Twitter ausmacht und ob “Twitterstürme” (!) auch gesellschaftlich bedeutsame Veränderungen auslösen können. Das war meine Antwort, in lang:

Auf Twitter geht es, wie bei allen Gesprächen, die Menschen führen, um Wichtiges und Unwichtiges, um Politik, Mode, Musik, Kultur, und, natürlich, auch um viel Quatsch mit Soße! Wir können uns untereinander folgen oder über Themen und Schlagworte – die #Hashtags – miteinander verbinden. Schlagworte können für ein Fußballspiel oder einen Verein (zum Beispiel #BTSV), für den “Tatort” der eine wissenschaftliche Konferenz verwendet werden. Dann bekomme ich gleichzeitig mit, wer von meinen Leuten gerade in einem bestimmten Vortrag ist und worum es geht, wie es bei der Eintracht steht oder wer der Mörder ist. Und ich lese, dass ein alter Schulfreund gerade in der Stadt ist und verabrede mich auf ein Bier in einer sog. “Kneipe” mit ihm, einem Offline-Twitterdings. Das Web ist eben weniger ein Medium als vielmehr ein Assoziationsraum.

Auf Twitter wird natürlich auch über die Geschäftspraktiken von Amazon diskutiert oder es werden Erfahrungen von Diskriminierungen veröffentlicht – über das Hashtag #Aufschrei. Diese Schlagworte können dann auch zu “trending topics” werden. Twitter ist ein Seismograph für die Dinge die gerade im Moment passieren, weniger ein Ort, wo ich die Themen der letzten Tage oder Wochen nachlese.

Immer mehr Themen auf Twitter erreichen auch die Agenden der Politik. Nicht zuletzt dann, wenn die Beteiligten selber mittwittern. Der #Aufschrei ist ein gutes Beispiel dafür. Über Twitter und im Zusammenspiel mit anderen Medien lassen sich auch gesellschaftliche Umbrüche beschleunigen – siehe den Arabischen Frühling 2011.

Gleichzeitig geht es aber nicht immer um die ganz großen Dinge, über Twitter lässt sich auch das Mittagessen oder der ganze Alltagsquatsch hervorragend kommentieren. Ob diese Gespräche “sinnvoll” oder “relevant” sind, darüber entscheiden die Leute, die sie führen. Wenn ich schreibe, dass ich einen Kaffee auf dem Kohlmarkt trinke und ein Kollege antwortet, bring mal bitte einen Bienenstich mit, dann war das Gespräch eben für genau zwei Menschen “wertvoll”.

Auch aus den vielen Alltagsbeobachtungen oder kleinen Witzen können sich Themen über das ganze Web verbreiten. Beispiele dafür waren der #Blumenkübel oder #SätzeausunsererKindheit. Und drei Tage später sind diese Geschichten dann auch schon auf Facebook gelandet…

Tja, was Twitter also “bringt”? Was bringt gute Laune oder das ich meinen Kollegen “guten Morgen” sage? Am besten einfach anmelden, ausprobieren und mitmachen.

Gerald Fricke

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