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wi² Blog – Wirtschaftsinformatik & Informationsmanagement

Vorträge und Quellen zur “Webgesellschaft”, Sommersemester 2012

Als fleißige Leser unseres Blogs habt Ihr natürlich alle schon mein Fazit zur Webgesellschafts-Vorlesung gelesen, hier. Als Ergänzung und Extraservice für Schnellleser fassen wir im Folgenden noch einmal die Ergebnisse und Sichtweisen aller Seminar-Gruppen auf ihr Thema zusammen. Schönen Dank an Payam Hassan fürs Zusammentragen. Und vielen Dank an Michael Timpe für die Unterstützung in der Veranstaltung!

Ich möchte noch eine wichtige Sichtweise ergänzen: Wir haben in der Vorlesung ja danach gefragt, wie sich die Geschichte einer kooperativen Webgesellschaft “erzählen” lässt. Dazu noch einige Leseempfehlungen zur Kooperation aus unserem Blog:

“Kooperation ist die Einstellung” (Susanne Robra-Bissantz)
http://blog.wi2-tubs.de/?p=2963

“Ich dachte mir, ich sag’s mal” (Susanne Robra-Bissantz)
http://blog.wi2-tubs.de/?p=5079

Gerald Fricke: Kooperieren oder verlieren?
http://blog.wi2-tubs.de/?p=4343

1       Strukturwandel der Öffentlichkeit

In der ersten Veranstaltung haben wir uns mit dem Strukturwandel der Öffentlichkeit beschäftigt. Hierbei ging es um die Frage, wie sich das Verhältnis zwischen Öffentlichem und Privatem verschiebt. Um diese Frage näher zu beleuchten, wurde Jeff Jarvis’ Buch Public Parts herangezogen. Im Plenum wurde weiterführend über den Nutzen der Sharing Culture diskutiert und das “German-Paradox” aufgegriffen. Siehe dazu den Blogeintrag der Gruppe. Gerald Fricke betonte, dass es zukünftig darum geht, in einem neuen Gesellschaftsvertrag das Verhältnis von öffentlich und privat in der Webgesellschaft neu zu bestimmen.

Quelle

Jarvis, Jeff, 2011: Public parts. How sharing in the digital age improves the way we work and live, New York. Auszug über das “German Paradox” hier.

2       Umweltpolitik im Web

In der zweiten Veranstaltung ging es um die Umweltpolitik in der Webgesellschaft. Hier wurden Veränderungen und neue kooperative Ansätze aus dem Umfeld der Klima- und Umweltpolitik beleuchtet.

2.1     Klimawandel

Im ersten der zwei Pecha-Kucha-Vorträge wurde der Fokus auf das Web als Handlungsraum gelegt. Das Web dient sowohl der Informationsverbreitung  als auch der Koordination und Kooperation. Der wachsende Assoziationsraum ermöglicht die Vernetzung und Mobilisierung unzähliger Teilöffentlichkeiten und umweltpolitischer Akteure. Hier der Eintrag der Klima-Gruppe.

Quellen

Borgstedt, Silke; Christ, Tamina; Reusswig, Fritz, 2010: Repräsentativumfrage zu Umweltbewusstsein und Umweltverhalten im Jahr 2010. Online verfügbar unter: http://www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/4045.pdf.

Bundeszentrale für politische Bildung (2012): Partizipation im und mit dem Social Web | bpb.

2.2     Neue Bündnisse

Der zweite Vortrag Neue Bündnisse knüpfte an die Thematik des ersten an. Auch hier wurden einige Beispiele von Umweltaktivisten präsentiert. In der Diskussion haben wir der These des unbedeutsamen Likers, die die Gruppe formuliert hat, Habermas’ Theorie des kommunikativen Handelns gegenüber gestellt: Auch das vermeintlich “irrelevante” Liken, Twittern, Teilen ec. im sozialen Web kann soziale Nähe schaffen und ein kommunikatives Handeln bewirken, so Gerald Fricke – auch indem zum Beispiel „Nischenthemen” (wie die sibirischen Tiger oder die südafrikanischen Nashörnern, siehe den Blogeintrag der Gruppe) Aufmerksamkeit in unserem sozialen Netzwerk bekommen.

Quellen:

Save the rhinos with Facebook & Co | Social Media Blog.

Can Social Media Really Help Make a Difference for the Environment? : TreeHugger.

3       Politik im Web

Die nächsten zwei Themen befassten sich mit der Politik im Web. Dabei wurde zuerst die Wechselwirkung zwischen Web und Politik beleuchtet und anschließend auf neue direkt-demokratische Konzepte und Ideen eingegangen.

3.1     Twitternde Politiker

Nach der Erörterung der Funktionsweise vom Twittern und des Followen und der Unterscheidung zwischen Lifecasting und Mindcasting, richtete sich das Augenmerk auf den Aktionsraum der twitternden Politiker. Hier der Eintrag der Gruppe. Das Fazit im Plenum lautete: Die asymmetrische Funktionsweise von Twitter schafft um bestimmte Themen herum sog. Communities of Interest, also virtuelle Teilöffentlichkeiten. Diese sich ad hoc bildenden Teilöffentlichkeiten wachsen durch den frei zugänglichen Dialog. Über #Hashtags können sich zu bestimmten Themen Menschen zusammen finden. Wenn aber wirklich alle Politiker twitterten und “Ins-Internet-Schreiben als Bürgerpflicht” (Gerald Fricke) empfunden würde, dann stellt sich natürlich die Frage, ob es dann überhaupt noch vermittelnde Instanzen in der Politik geben muss, oder ob politische Parteien so “überflüssig” wie Taxizentralen werden.

Dazu zwei Quellen:

Jens Seipenbusch, 2012: Zum Partizipations-Transparenz-Dilemma.

Michael Seemann, 2012: Das Partizipations-Transperenz-Dilemma. Hg. v. Friedrich-Ebert-Stiftung.

3.2     „Flüssige Demokratie“

Hier wurden in Form eines Diskurses die repräsentative mit der flüssigen Demokratie verglichen (s. den Eintrag der Gruppe). Dabei standen Argumente wie Partizipation, Transparenz, Akzeptanz, Verantwortung und Themen wie Liquid Feedback im Mittelpunkt. Das Liquid Feedback bildet an dieser Stelle die Verbindung zum Web. Es bietet der flüssigen Demokratie eine Infrastruktur, um realisiert werden zu können. Die im Plenum durchgeführte Abstimmung hat gezeigt, dass wir keine klaren Präferenzen ausmachen konnten.

Quellen: Wrusch, Paul, 2011: Entscheidungsstrukturen der Piraten: Wie “flüssige Demokratie” funktioniert – taz.de. Online verfügbar unter http://www.taz.de/Entscheidungsstrukturen-der-Piraten/%2180976/

Rohrbach, Lena, 2012: Das Netz eröffnet die Chance auf einen zweiten Wandel von Repräsentation: Die flüssige Demokratie – taz.de.

Einfach erklärt: Liquid Democracy – YouTube.

4       Gesellschaft im Web

4.1      „Aktive Bürgergesellschaft?“

Hier ging es um die Partizipationsmöglichkeiten in der Gesellschaft. Dabei richtete sich das Hauptaugenmerk auf zwei Aspekte der Mitgestaltung. Zum einen wurde die Funktionalität in politisch instabilen Gebieten beleuchtet, zum anderen betrachteten wir das Web als Aktionsraum für soziale Zwecke im sog. Dritten Sektor. Siehe dazu den Eintrag der Gruppe, hier.

Dabei kristallisiert sich einmal mehr die Koordinationsfunktion des Web heraus. Das Web fungiert in diesem Zusammenhang sowohl als Ereignistrigger, als auch als Multiplikator.

4.2     „Die Zukunft der Arbeit“

Zwei Punkte wurden unter der Überschrift die Zukunft der Arbeit besprochen. Zum einen die Entgrenzung der Arbeit und zum anderen das bedingungslose Grundeinkommen (siehe den Blogeintrag der Gruppe). Der Grat zwischen Burnout und Selbstverwirklichung ist schmal, so die Gruppe.

Ursprünglich ging es in der Debatte um das “Ende der Arbeitsgesellschaft” (André Gorz) um die Frage, wie die Industriegesellschaft damit umgeht, dass “uns” die Industriearbeit “ausgeht”, so Gerald Fricke. Heute haben wir durch das Web ganz neue Möglichkeiten der Vernetzung. Wir werden uns in einer durch das Web geprägten Gesellschaft nicht mehr so an festen Orten treffen, ob an Hochöfen oder Hochschulen, und zu festen Zeiten in festgezurrten “Abteilungen” arbeiten, wie das zu Zeiten einer vornehmlich durch Massenmedien, Massenkonsum und Massenproduktion geprägten Gesellschaft der Fall ist oder gewesen ist, so das Fazit von Gerald Fricke.

Quellen: 

BGE INTERAKTIV, 2012: Eine interaktive dokumentation über das bedingungslose Grundeinkommen

Lotter, Wolf, 2012: Der Lohn der Angst, in: brand eins 07/2005 – SCHWERPUNKT: Arbeit

Bonß, Wolfgang, 2003:  Zwischen Erwerbsarbeit und Eigenarbeit; in: Arbeit, Heft14, Jg 11 (2002), S.5-20.

5       Unternehmen im Web: Was „bringt“ social media?

Hier beschäftigten wir uns mit der Frage, ob Unternehmen die Social Media einsetzen, einen komparativen Vorteil gegenüber solchen haben, die auf den Einsatz verzichten. Dazu betrachteten wir unterschiedliche Fallstudien. An Social Media darf nicht der Anspruch des Allheilmittels gestellt werden, so die Gruppe (hier der Blogeintrag), aber es bietet dem Unternehmen die Möglichkeit, seine Kunden und Interessengruppen besser kennenzulernen.

Quellen:
Absatzwirtschaft, 2012: Viele Führungskräfte verharren im Web 1.0 – Online-Marketing – News – absatzwirtschaft.de.

13 große Social Media Fails | PR-Blogger.

McDonald’s not lovin’ out of control hashtag campaign – The Globe and Mail.

3 Gründe für Social Media in der Bürgergesellschaft | sozialmarketing.de – wir lieben Fundraising.

6       Geschäftsmodelle im Web

Unter der Überschrift “Geschäftsmodelle im Web” wollten wir neuartige Konzepte hinsichtlich ihrer Akzeptanz und Nachhaltigkeit untersuchen.

6.1     „Automobilität 2.0“

Das Geschäftsmodell des Car Sharing ist der Versuch aus der zuvor besprochenen Koordinationsfunktion des Web ein Geschäftsmodell zu schmieden. Doch dem Ansatz stehen verschiedene Herausforderungen gegenüber. Der von Mead benannte symbolische Interaktionismus, sowie die Grenzen der intermodularen Mobilität sind zwei davon. Das Fazit der Gruppe lautet: Die aktuellen Ansätze stellen noch nicht die erwünschte Intermodalität her und müssen darüber hinaus noch beweisen, dass die Prämisse „nutzen statt besitzen“ den entsprechenden Durchsatz in der Gesellschaft hat.

Quelle:

Viehmann, Sebastian, 2011: Mobilität der Zukunft: Ein Alptraum für Autohersteller; in: Die Zeit vom 6.4.2011; online verfügbar hier 

Canzler, Wert; Knie, Andreas, 2011:  Automobilität 2.0. 

Quicar – Share a Volkswagen. 

6.2     eine neue Remix-Kultur?

Mit dem Thema eine neue Remix-Kultur schloss sich der Kreis unser Vortragsserie. Hier beschäftigten wir uns mit der Frage, ob das Urheberrecht überholt ist und wir in Zeiten der Webgesellschaft nicht einen Schritt hin zur Wissensallmende gehen müssen. In dieser Diskussion stehen sich die “Content-Lobby” und “Digital Natives” gegenüber. Als Beispiele für angemessnere “Geschäftsmodelle” wurden Creative Commons, Kulturflatrate und Open-Source-Anwendungen angeführt und diskutiert. Hier das Fazit der Gruppe, im Blogeintrag.

Quellen:

Stadler, Felix, 2009: Neun Thesen zur Remix-Kultur.

Was ist CC? – Creative Commons.

Gehlen, Dirk von, 2011: Mashup. Lob der Kopie, Berlin. (Siehe dazu dieses Interview mit Dirk von Gehlen)


Gerald Fricke

Kommentare

  1. Mit der Veranstaltung haben wir nicht nur über die Sharing Culture gesprochen, sondern auch aktiv an ihr teilgenommen. Tolles Projekt!

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  2. wi²-Blog @ TU Braunschweig 4. April 2013 at 12:33
  3. wi²-Blog @ TU Braunschweig 11. Juli 2013 at 11:15