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wi² Blog – Wirtschaftsinformatik & Informationsmanagement

Web 2.0 als Bedrohung repräsentativer Demokratie?

Im Rahmen der Lehrveranstaltung „Information und Kommunikation in der Webgesellschaft“ hat unsere Gruppe zum Thema „Auswirkungen des Web 2.0 auf die Politik“ die These der Bedrohung repräsentativer Demokratie durch das Web 2.0 vertreten.
Mit Hilfe eines selbstgedrehten Films über einen fiktiven deutschen Staatsbürger mittleren Alters, der sich unter anderem mit unqualifizierten Äußerungen über Politik und Wirtschaft im Internet aufhält, verdeutlichten wir die Gefahren des Mitbestimmungsrechts der Gesellschaft via Internet und dessen Auswirkungen auf das tägliche Leben.
Unser Film wurde am 13.05.11 in der Vorlesung zu „IuK im Web 2.0“ vorgeführt.

Unser Video zu “Web 2.0 als Bedrohung repräsentativer Demokratie” auf Youtube findet ihr hier!

Unser fiktiver Film soll einen Eindruck geben, in welchen Bereichen der Gesellschaft, ausgehend vom technologischen Stand des Web, mit wenigen Mausklicks Entscheidungen beeinflusst werden könnten. Der Kenntnisstand des „Entscheiders“ zum Thema, sowie die daraus gebildete, unabhängige Meinung spielen keine Rolle. Stattdessen werden alle Bürger, unabhängig ihres Bildungsstandes oder Kenntnis zu den Themen, ermuntert an politischen Entscheidungen teil zu haben.

Erläuterung repräsentativer Demokratie

In der repräsentativen Demokratie sind vom Volk gewählte Vertreter zur politischen Entscheidungsfindung und zur Kontrolle der Regierung berufen. Bürgerinnen und Bürger treffen also die politischen Entscheidungen nicht selbst, sondern überlassen diese den auf Zeit gewählten Volksvertreter. *1)

Entscheidungsfreiheit repräsentativer Demokratie

Die Meinung der Bürger zu politischen Themen ist speziell im Internet sehr leicht zu manipulieren, durch „Halbwissen“ und Stimmungsmache. Die Frage ist also, bei welchen Themen jeder Bürger wirklich direkt mitentscheiden sollte (z. B. über eine “E-Partizipation”*2) und bei welchen Themen die Entscheidungen besser im Rahmen der parlamentarischen Demokratie durch gewählte Volksvertreter getroffen werden.
Ob die Zukunft repräsentativer Demokratie durch das Web 2.0 bedroht und die Entscheidungsfreiheit wirklich beeinflusst wird, wird dennoch heftig weiterdiskutiert.

*1) http://www.bundestag.de/service/glossar/R/repraes_demo.html

*2) http://www.e-demokratie.org/was-ist-e-partizipation/
 
Dominik Siemon, Gruppe “Web als Bedrohung der Demokratie”

Kommentare

  1. Danke für Euren Eintrag! Schon in der ersten Phase des World Wide Web, Mitte der 1990er Jahre, galt das Web als Versprechen für eine neue Demokratie im weltweiten Dorf. Dabei wurde unter anderem auf Benjamin Barbers “aktive Demokratie” (Benjamin Barber: Strong Democracy, Berkeley 1984) rekurriert. Mit dem Web sollte sich wieder dem klassischen Ideal direkter demokratischer Selbstregierung in überschaubaren Stadtstaaten angenähert werden, das in der Massengesellschaft im 20. Jahrhundert unmöglich geworden und dem Repräsentationsmodell gewichen ist. Diese ersten Euphorie ist später einer Ernüchterung gewichen, “E-Partizipation”, “E-Government” und ähnliche Modelle sehen Demokratie in erster Linie nur als einen Verwaltungsakt, der mit neuer Technik “effizienter” zu gestalten ist.

    In der Webgesellschaft schwindet die Trennung von direkter und repräsentativer Demokratie, in Richtung einer “flüssigen Demokratie”, in der immer mehr direkt-demokratische Einflußnahmen das repräsentative Modell ergänzen, denke ich. Immer mehr Bundestagsabgeordnete sind zum Beispiel direkt via Facebook anzusprechen oder twittern aus Sitzungen und Parteitagen.

    Hier habe ich dazu noch einige Thesen formuliert, am Beispiel von “Sags uns”: http://blog.wi2-tubs.de/?p=2253

    Und hier noch der Eintrag der Gruppe “direkte Demokratie” aus der Vorlesung: http://blog.wi2-tubs.de/?p=4613

  2. Ich finde, dass es gar nicht so schlecht wäre, auch mal ein paar Direktwahlen von den Bürgern durchführen zu lassen. Und dafür eignet sich natürlich das Internet besonders gut, da es viele Menschen erreicht. Jedoch ist hierbei schon der erste Punkt, der ein Problem darstellt: Zwar sind viele Menschen online, aber eben nicht alle.

    Meiner Meinung nach sollten auch nicht alle Entscheidungen von den Bürgern alleine getragen werden. Eine gute Mischung würde hier gut zum Tragen kommen. Eine weitere Möglichkeit wäre auch, dass die Umfragen nur den Politikern als ungefähre Richtlinie dienen. So hätten zum Beispiel CDU und FDP voraussehen können, dass eine Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken zu einer Wahlniederlage ein paar Monate später führen wird. Dem entsprechend würde vielleicht das dauernde “Ich bin Regierung und du bist Opposition, also sage ich genau das Gegenteil von dir!” aufhören und stattdessen endlich mal Kompromisse beschlossen werden. Das würde den Bürgern auf alle Fälle zu gute kommen.

    Von Florian N. am 19. Juli 2011 um 20:11 Uhr

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