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wi² Blog – Wirtschaftsinformatik & Informationsmanagement

Wege in die Freiheit…

Ja, da haben wir ordentlich Pathos aufgelegt, bei unserem Vortrag, aber hey, für eine gute Sache, selbstredend…

“Wege ins Reich der Freiheit” – Vortrag Dr. Gerald Fricke, Yvonne Gaedke, Maximilian Witt, CeBit, Hannover, 04.03.2010.

Beim “future talk” auf der CeBit haben wir über “Wege ins Reich der Freiheit” gesprochen und nach der Rolle des Webs in den Unternehmen und der Gesellschaft gefragt. Was meinen wir damit? Die Frage danach, wie wir zukünftig leben und arbeiten wollen, mit dem Web und in der wirklichen Welt  ist keine ganz kleine, fürwahr. Aber deswegen sollten wir sie uns trotzdem stellen.

Wie ändert sich die Arbeitswelt, wenn wir alle im Web “mitmachen” können? Zu hoffen bleibt, dass die Reise nicht in Richtung eines neuen digitalen Taylorismus geht, in dem die Masse der fleißigen kleinen “Angestellten”, die Siegfried  Kracauer schon in den 1920er Jahren treffend beschrieben hat, die Probleme der Unternehmen am Fließband bzw. an den endlosen Reihen der Schreibmaschinen wegschafft – eine immer noch treffende Beschreibung, auch wenn das Fließband und die Schreibmaschinen heute in die “Cloud” gewandert sind.

Der Philosoph André Gorz hat in den 1980er Jahren versucht, “Wege ins Paradies” aufzuzeigen, jenseits der ökonomischen Rationalität der “Arbeitsgesellschaft” und versucht einen emanzipatorischen Arbeitsbegriff ( = Freiheit) zu entwerfen. In diesem Sinne verstehen wir das Web nicht als “Marketing-Tool”, sondern als eine Frage der Einstellung.

Zwei Thesen haben wir in dem Vortrag entwickelt:

1) Das Web meint Freiheit

In der politischen und öffentlichen Diskussion stehen häufig die bedrohlichen Aspekte des Webs im Mittelpunkt. Jüngstes Beispiel dafür ist die Debatte um Google Street View. Dabei wohnt auch gerade diesem neuen Angebot der “Datenkrake” Google ein emanzipatorisches, befreiendes Element inne: Wenn alle Internetnutzer weltweit alle Straßenzüge einsehen können (und nicht nur die Detekteien und Geheimdienste, wie derzeit), dann demokratisiert sich die Verfügungsgewalt über die Bilder. Und dann wird sich auch ein gesellschaftliches Übereinkommen weiter entwickeln, was da heißt, dass wir, die Gemeinschaft der Nutzer, unsere gegenseitigen Kenntnisse über unsere Häuser und Wohnverhältnisse (oder unsere peinlichen Partyfotos) nicht gegen uns verwenden werden. Nach der Logik dieses Gedankens der “Waffengleichheit” und demokratischen, für alle gleichen Verfügbarkeit von Informationen ist es also nicht gefährlich, wenn Google anfängt, unser aller Leben öffentlich zu machen, sondern gefährlich, wenn Google auf halbem Wege damit aufhören würde. Oder, um es salopp zu sagen: Wenn schon, dann aber richtig – und allumfassend!

2) Das Web ist eine Einstellung

Es geht nicht darum, Unternehmen mit Endverbrauchern oder Datentöpfen zu verknüpfen, die eigenen Mitarbeiter zu überwachen oder Kunden auszutricksen, sondern darum, Menschen mit anderen Menschen zusammen zu führen. Ob die Wege dabei in die Freiheit oder Unfreiheit führen entscheiden wir. Die “Angestelltenwelt” (Kracauer) lässt sich mit oder ohne Web als tayloristische, fordistische Strafkolonie (Kafka) einrichten oder als ein “Reich der Freiheit” (André Gorz). Wir sind das Web – machen wir das Beste daraus!

Ach so, und zum goldenen Beschlusse gab es die Folie “Woodstock 1969”: Ohne Twitter hätten sich niemals eine Million junger Menschen für drei Tage zum Schlammrutschen mit Musik verabreden können… Äh, oder…?

Was sagt uns das: Menschen wollen sich vernetzen und sie werden immer Wege finden, sich zu treffen und “Informationen” auszutauschen, ob mit oder ohne das Web.

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