TU BRAUNSCHWEIG
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wi² Blog – Wirtschaftsinformatik & Informationsmanagement

Wenn wir Autos verkaufen würden…

Haben Sie schon einmal versucht, ein Auto im Internet zu kaufen? Eigentlich ist es ja ganz einfach: Man ruft die Internetseite eines Automobilverkaufsportals auf, gibt seine Wünsche und Vorstellungen für und über das Auto in spe ein und erhält durch einen weiteren Mausklick eine Liste mit Autos, die diesen Anforderungen entsprechen. – Eigentlich… Die “kleine” Schwierigkeit besteht nur darin Ihre Wünsche der Suchmaske des Anbieters anzupassen. Wieso?

Genau das haben wir uns auch gefragt, als wir uns im Innovationsseminar designIT mit dem Kooperationspartner Volkswagen die derzeit existierenden Portale angeguckt haben. Wieso muss ich mich entscheiden, ob ich im Umkreis von 50 oder 100 km suchen möchte? Was ist, wenn das perfekte Auto 51 km entfernt steht? Warum zwingen mich die Portale, meine Wünsche zu “binärisieren”? Gibt es nichts zwischen “Ich will unbedingt elektrische Fensterheber” und “Es ist mir völlig egal, ob das Auto elektrische Fensterheber hat”. Was ist mit “Ich hätte gerne elektrische Fensterheber, aber wenn der Preis stimmt, verzichte ich auch darauf” oder “Ich will auf keinen Fall elektrische Fensterheber, weil ich dann ertrinke, wenn ich in einen See fahre!”?

Wäre es nicht toll, wenn ich meine Anforderungen eingeben könnte und dann nach Relevanz sortierte Ergebnisse erhielte? Wäre es! Deshalb hat sich unser Team auch überlegt, wie man dieses erreichen könnte. Und da wir schon einmal dabei waren, haben wir auch gleich noch ein bisschen Virtualisierung und Web 2.0 mit untergemischt und das Ganze mit wissenschaftlichen Fakten untermauert.

Um wertvollen Screen Real Estate zu sparen, hier die Ergebnisse in Kurzform (aka “Was könnte ich von einem von uns gestalteten Automobilverkaufsportal erwarten?“):

Seien Sie höflich: Stellen Sie sich vor!
Gestatten, mein Name ist… Ich bin umweltbewusst, Komfort und Raumangebot sind mir nicht so wichtig.

Seien Sie offen: Teilen Sie uns Ihre Wünsche mit!
Sie möchten einen höchstens zwei Jahre alten Astra oder Golf mit Klimaanlage oder einem Schiebedach? Ein Cabrio wäre auch ok? Einparkhilfe oder Sitzheizung wären auch nett, Sie können aber auch ohne leben? Lederausstattung wollen Sie aber auf keinen Fall? – Kein Problem! Wir haben da eine Eingabemaske, die Ihnen gefallen wird!

Seien Sie offener: Nehmen Sie einen Vorschlag an!
Leider haben wir kein Auto gefunden, das Ihren Anforderungen entspricht. Aber wie wäre es denn mit diesem Audi A3?

Seien Sie anspruchsvoll: Erwarten Sie mehr!
Wir zeigen Ihnen die Autos an erster Stelle, von denen wir glauben, dass Sie Ihnen am besten gefallen. Warum sollten wir die Ergebnisse nach Preis oder Entfernung sortieren, wenn Sie uns doch schon gesagt haben, dass Ihnen das nicht so wichtig ist? Oder möchten Sie die Treffer lieber auf einer Karte sehen? Vielleicht ist Ihr Traumauto ja nur zwei Minuten zu Fuss von einem alten Bekannten aus Süddeutschland entfernt. Fahren Sie ihn doch mal wieder besuchen und kaufen Sie sich nebenbei ein neues Auto!

Seien Sie experimentierfreudig!
Spielen Sie ruhig ein bisschen mit Ihren Einstellungen und Präferenzen. Unsere Webseite ist vollkommen dynamisch gestaltet. Jeder Klick ändert sofort das Ergebnis der Suche. Ist es nicht interessant, wie sich die Ergebnisse durch das Bewegen eines Schiebereglers komplett ändern?

Seien Sie konstruktiv: Bauen Sie Ihr Auto doch einfach selbst!
Sie mögen keine Comboboxen, Radio-Buttons oder Schieberegler? Kein Problem! Viele Einstellungen können Sie auch an einem 3D-Modell eines Autos auswählen.

Machen Sie sich ein Bild!
Alle Autos in unserem Portal sind in einer 360°-Rundumsicht zu betrachten. Bei einigen ist sogar eine 360°-Innenraumansicht verfügbar.

Seien Sie kommunikativ: Fragen Sie Ihre Freunde!
Sie können sich nicht zwischen Ihren Favoriten entscheiden? Oder Sie möchten den Segen Ihres Finanziers einholen? Versenden Sie Ihre Auswahl doch einfach per E-Mail. Ihre Freunde können Ihre Auswahl kommentieren, bewerten oder Ihnen andere Vorschläge machen.

Kommentare

  1. Sehr schöner Eintrag, vielen Dank an die Gruppe!

  2. Toller Eintrag, sehr ausführlich aber nicht zu lang! Da würde ich doch glatt ein Auto kaufen …

    Von Patrick Helmholz am 24. April 2009 um 17:19 Uhr
  3. Na, da sind wir ja endlich einen Schritt weiter in Richtung “Not just a pretty interface”. Sehr gut vorgestellt… Da geht es weiter.

  4. Das Seminar hat auf jeden Fall ne Menge Spaß gemacht. Besonders beeindruckend war für mich die Tatsache wie man mit wenig Aufwand und einigen Fotos ne eindrucksvolle 360 Grad Ansicht vom inneren und Äußeren eines Autos zaubern kann.

    Von Asadeh Beigi am 27. April 2009 um 15:38 Uhr
  5. …und man sieht gar nicht, dass wir uns bei den “einigen” (150) Fotos für die Außenansicht bei Minusgraden den A… abgefroren haben…

    Von Dirk Leiendorf am 27. April 2009 um 20:23 Uhr
  6. Na ja gut, es war schon ziemlich kalt. Wir mussten sogar an zwei verschieden Tagen in die Kälte zum Fotografieren. Meiner Meinung nach hat sich das Ganze aber dann doch gelohnt, auch wenn es sich in dem Moment, wo wir unsere abgefrorenen Finger (trotz Handschuhen) nicht mehr spüren konnten, nicht so angefühlt hat.

    Die 360 Grad Ansichten waren trotzdem Cool.

    Zumal wir das Ganze hinbekommen haben, ohne auch nur einen Cent dafür auszugeben.

    Von Asadeh Beigi am 30. April 2009 um 14:49 Uhr

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