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Werksstudent für Volkswagen (Teil 1)

Ich will versuchen, euch zu zeigen, wie schnell es gehen kann, an eine Werksstudententätigkeit zu kommen und welche Möglichkeiten ihr damit für einen Berufseinstieg habt – und natürlich auch zum Geld verdienen. Zunächst erkläre ich euch, wie ich zu meiner Werksstudententätigkeit gekommen bin. Später kommen die Erlebnisse der ersten Tage und mein Fazit.

Wenn man studiert, stellen sich automatisch einige Fragen: Nach der nächsten Bar, über das liebe Geld oder wie sich die bisher erlangten Fähigkeiten möglichst gewinnbringend einsetzen lassen. Diese Fragen habe ich mir auch gestellt. Nur nicht unbedingt in der Reihenfolge.

Nachdem ich meinen Bachelor an einer anderen Hochschule in der Nähe meiner Heimat absolviert hatte, ohne Studiengebühren zahlen zu müssen, wollte ich eine Möglichkeit finden, die deutlich gestiegenen Kosten für Studium und Lebensunterhalt zu bezahlen. Eine Möglichkeit wäre es gewesen, bei einem Einzelhandelsunternehmen zu arbeiten, so wie ich es im Bachelor gemacht habe, und dort mit viel monotoner Arbeit, mein Geld zu verdienen. Für mich war es aber wichtig, dass ich endlich das Wissen anwenden konnten, welches ich mir bisher angeeignet hatte, und auch zu schauen, was davon in der Praxis relevant ist. Also machte ich mich auf die Suche.

Nach einigen Suchaktivitäten kam der Zufall ins Spiel. Aus Interesse besuchte ich einen Vortrag an meiner ehemaligen Hochschule. Dort stellte sich zum Abschluss des Vortrages die T-Systems Onsite vor. Ihre Mitarbeiter hatten den Vortrag ausgearbeitet. Das Unternehmensprofil klang interessant: Als Sparte von T-Systems (Telekom) kümmern sie sich, wie der Name sagt, im direkten Kontakt mit Kunden um deren Probleme, eben on site. Nach dem Vortrag bin ich schnell nach vorne gegangen und hatte kurze Zeit später einen Termin für ein persönliches Gespräch in der Wolfsburger Zentrale.

In dem Gespräch fanden wir einige interessante Einsatzorte. Mir wurde erklärt, dass ich eine feste Stundenzahl in der Woche fakturiert für einen Kunden arbeite, ich dafür jeden Monat einen Betrag auf mein Konto überwiesen bekomme und das Unternehmen die Kosten für mein Studium übernimmt. Super!

Da es sich bei der T-Systems Onsite um eine Beratungsunternehmen handelt, waren diese Einsatzorten beim Kunden. Wenig überraschend  war der Hauptkunde in Wolfsburg Volkswagen. Aus diesem Grund hatte ich schon wenige Tage später einen zweiten Vorstellungstermin bei Volkswagen. Denn um Fuß in einem Beratungsunternehmen zu fassen, ist es wichtig, den Kunden des Unternehmens von sich und seinen Fähigkeiten zu überzeugen. Die Chance, ohne ein potenzielles Kundenprojekt eingestellt zu werden, ist im Beratungsgeschäft gering. Einige Tage vor dem Termin wurden mir von der Onsite alle wichtigen Fakten und Daten des Projektes bei Volkswagen vorgestellt und Material zum Selbststudium übergeben, damit ich mich vorbereiten konnte.

Das Projekt hieß Technische Information Synchron (TI-Synchro). Ziel ist es, die große Zahl der Altsysteme der technischen Information bei Volkswagen abzulösen und durch ein zentrales SAP-System zu ersetzen. Diese Systeme sind eine zentrale Säule im Volkswagen-Konzern. Sie enthalten alle relevanten Daten für die Entwicklung und Fertigung von Fahrzeugen – unter anderem Stücklisten-Informationen, die in der Forschung und Entwicklung entstehen und bis zur Serienreife fortgeführt werden, zeitliche Steuerungsdaten, Bauteilekonstruktionen, Variantenkonfigurationen und viele weitere Daten. 

Meine Aufgabe sollte die Verbesserung der Stücklistenqualität sein. Stücklisten neuer Fahrzeuge werden schrittweise im Forschungs- und Entwicklungsprozess aufgebaut. Aus einer Stückliste wird später eine produktive Stückliste konvertiert. Sie dient als Basis für die Fertigung in den Volkswagen-Werken. In diesem Prozess der Konvertierung sollte ich tätig werden. Dazu traf ich mich mit Mitarbeitern von Volkswagen und der Onsite, die bereits im Projekt arbeiteten, zum Gespräch. Ein Satz, der die Herausforderung umschreibt, klingt mir immer noch im Ohr: „Neue Mitarbeiter brauchen mindestens sechs Monate, um sich einzuarbeiten und produktiv zu werden“, das konnte ich mir kaum vorstellen. Das Gespräch lief aber sehr gut. Zudem merkte ich, dass das Thema für Volkswagen zwar sehr wichtig ist, die Stimmung im Team aber sehr locker war, auch dank eines allgemeinen „du“. Wie ich in den kommenden Monaten merkte, ist dies bei Volkswagen weit verbreitet. Es macht das Arbeiten angenehm und erleichtert den fachlichen und persönlichen Kontakt zu den Arbeitskollegen.

Nach dem Gespräch erhielt ich den “grünen Daumen” und konnte anfangen. Damit begann für mich eine interessante Zeit. Auf der einen Seite hatte ich nun viel Theorie und auf der anderen Seite die Praxis und natürlich auch endlich etwas Geld am Ende des Monats übrig.

In den nächsten Blog-Einträgen erzähle ich euch von den Erlebnissen meiner ersten Tage und was ich bisher für Erkenntnisse gesammelt habe.

Torsten Slotczinski

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